Bei unrast:

Nur der Streit macht uns gleich

Was lefft – Erlangener Stadtzeitung

Nr. 165, September / Oktober 10997

Nur der Streit macht uns gleich

Ein halbes Jahrzehnt nach den beiden Büchern Feuer und Flamme macht der wohl nicht unumstrittene GERONOMO in Glut & Asche allenthalben eine “Krise des Politischen” aus. Er nervt mit Unmengen von Fragen wie “Was ist politisch?” oder “ist dies oder jenes wirklich politisch.” Es wird in einer Tour “politisch betrachtet”, “politisch gehandelt”, “politisch verstanden” und “politisch gekämpft”.
Auf klägliche Fragen gibt er klägliche Antworten, wie in seinen Betrachtungen zum Berliner Autonomie-Kongress von 1995 als ihn kritisiert, ob es sich bei den Begriffen `Anti-Sexismus´ und `Liebe´ überhaupt um politische Kategorien handelt. Im weiteren outet sich GERONIMO sich als der berüchtigte Benimm-Regel-Rebell des Kongresses und verarbeitet schreibend die Schmerzen seiner Niederlage.
Mitunter stellt er auch Schwerverdauliches in den Raum, etwa wenn “synthetische Totalitätskonstruktionen die prozessierenden Widersprüchlichkeiten eliminieren”, oder wenn er postuliert, daß sich ein “heroischer antiimperialistischer Krieger” in eisiger funktionalistischer Kälte seiner Partei zu unterwerfen hat. Im Krieg, meint er, “kann sich der Krieger nur unterordnen, nicht befreien.”
Insgesamt dient die schwülstige Wortgewaltigkeit der ausgedrückten Gedanken nicht gerade dem rezeptionellen Verständnis, zumal GERONIMO zum ausschweifenden metaphernübersäten fabulieren neigt. Schade eigentlich, steckt in den Reflexionen u.a. über die Nolympia-Kampagne, die Ereignisse um Bad Kleinen und die Spitzelproblematik sowie den “Tod eines Faschisten” in Berlin doch Substantielles