Bei unrast:
Bücher über Deutschlands LinkeAus: Streng Geheim Nr. 6. November 1997
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Glut & Asche ist der dritte und abschließende Band von Geronimos Feuer und Flamme ? Trilogie über die Politik der autonomen Bewegung. Britisch, bissig, liebevoll, ironisch, aber vor allem zum Nachdenken anregend, setzt er sich mit politischen Ereignissen der Zeit auseinander. Von der NOlympia?Kampagne, dem Spitzel von Bad Kleinen, der Tod eines Faschisten, der bei einer Antifa?Aktion ums Leben kam bis zum Autonomie?Kongress geht die Bandbreite seiner Auseinandersetzungen mit der Politik der Linken und v~ auch mit seiner eigenen. Copyright 2002-2004 by warpturbine. Alle Rechte vorbehalten. Ein besonderes Anliegen ist für Geronimo die Auseinandersetzungsfähigkeit bzw. die NichtAuseinandersetzungsfähigkeit der Linken mit ihrer eigenen Politik, ihrem eigenen, wie auch immer aussehendem Selbstverständnis' , über Anspruch und Wirklichkeit zu diskutieren. So schleicht er auch nicht zaghaft um die Frage der Machtpositionen innerhalb linker Strukturen herum, er stellt sie und das in einer Form, wie ich sie mir schon lange wünsche. "In der letzten Zeit merke ich an mir, wie ich, zunehmend unduldsam werdend, ahnungsloses Gebrabbel nicht mehr vertragen kann. Eine Reihe von erlittenen und auch nicht mehr gut zu machenden Niederlagen läßt einen .nicht nur einsichtsvoller sondern auch ,`? feinfülhliger werden. " “Auch wenn es viele Genossinnen gerade aufgrund ihrer guten Absichten' selber nicht wahrhaben wollen und es auf Nachfrage sogar vehement abstreiten: Sie gehen, gerade wenn sich scheinbar übereinstimmende Bearbeitungsweisen von Themen durch Widerspruch auf den unhintergehbaren Punkt des Konfliktes zuspitzen, his in ihre tiefsten Gedankenreflexe hinein instinktiv mit der Macht' und von dort aus leider nirgendwo mehr anders hin. Da wird dann schnell, und das zuweilen durchaus auch mit Brutalität, das Politische einfach abgebrochen und kurzerhand privat exekutiert und das sogar demonstrativ im öffentlichen Raum. " "Anstatt einfach gutmütig und Weise geworden mitzudenken, wie viel Unsinn man doch selbst gerade einmal vor ein paar Jahren verzapft und versucht hat, in andere Leute hineinzupumpen, anstatt also einfach wegzuhören oder sich ~ einen Ast zu lachen', nutze ich dann die Gelegenheit, die mir zum Teil ahnungslos mit unbedachten Äußerungen vor die Rhetorik?Flinte laufenden Mitdiskutantlnnen wortmäßig abzuschießen . ... Eh' man sich's versieht, ist man seihst gar zu schnell in das Kostüm eines fanatischen Sektenprediger s geschlüpft; und das ist bekanntlich eine äußerst unangenehme Sorte von Leuten . Manchmal bin ich selbst über die von mir praktizierte Kälte des wuchtigen rhetorischen Zuschlagens erschreckt. Und gerade dabei geht die angestrebte Liebenswürdigkeit und die Herzlichkeit zu anderen, meinetwegen auch falsch denkenden Genossinnen verloren. Mag diese gruselige Perspektive gar nicht zu Ende denken. " Nein, das mag ich auch nicht und deshalb ist mir diese Auseinandersetzung so wichtig. Die Frage, wer denn da eigentlich bestimmt, was richtig oder falsch gesagt wird, oder wer ist denn überhaupt ~ Wir , stellt er in den Raum bzw. ins Buch. Er stellt sie nicht nur, sondern beantwortet sie auch für sich in einer durchaus provokant n Weise. Ein weiteres, uns nicht unbekanntes, zum Teil sehr trauriges Kapitel, ist die Solidarität ? Solidarität mit wem und warum und warum nicht, und wenn ja, dann wie. Diesem Thema widmet er sich u.a. in Tod eines Faschisten' . Hier analysiert Geronimo mit Fingerspitzengefühl, Verstand und Herz die geleistete Solidarität mit den Menschen, die vor Gericht gezerrt wurden. Ebenso stellt er so manche “Maul haltenParole" auf den Kopf. Geronimo erhebt keinen Anspruch darauf, die Wahrheit gefunden, gesagt oder geschrieben zu haben. Er wünscht sich Kritik und eine lebhafte Diskussion. Mir hat es großen Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Bislang habe ich noch keine Reflexion der Politik der Linken und den Umgang miteinander gelesen, der ich mich so nahe fühlte. Ich war erstaunt, wie viele der beschriebenen Situationen mir bekannt waren und an so manchen Stellen konnte ich herzhaft lachen. Wer nun aber überhaupt nicht bereit ist sein Tun und Handeln auch mal in Frage zu stellen, für den oder die dürfte dieses Werk eine herbe Enttäuschung sein. Klischees vom besseren politisch denkenden Menschen, weil es sich um Linke handelt, die nun immer zu meinen wissen, was richtig und was falsch ist, werden hier ziemlich auf den Kopf gestellt. Das Schlusswort hat Geronimo: "Zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung des ersten Teils von Feuer und Flamme habe ich geschrieben: Was wir brauchen, ist die unbeugsame rebellische Subjektivität von vielen großzügigen und zugleich /lebenswürdigen Tätern und Täterinnen ihrer eigenen selbstbewusst gemachten Geschichte. ' lm zweiten Teil von F&F habe ich versucht, die Vision eines reichen, generationsübergreifend bewegten Alltags von kontinuierlichen Neuanfängen zu skizzieren, die frei von allen Formen des Zynismus sind. Rund eire halbes Jahrzehnt später möchte ich diesen naiven Bemerkungen die Bekräftigung des Wunsches nach Gesellschaftsveränderung sowie den brisanten Gedanken hinzufügen, daß es in unserer tätigen Lebenspraxis darauf ankommt, einen Kampf für weltweit egalitäre Verhältnisse zu führen, in denen 'ich' und ' du ,`mann' und ' frau ', und damit ein konkretes, nicht verschwurbeltes wir' endlich frei von Furcht verschieden und doch glücklich miteinander sein können. " |