Cover in groß "White Noise"
Searchlight/Antifaschistisches Infoblatt / Enough is Enough / rat (Hg.)

White Noise

Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour - Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene


ISBN: 3-89771-807-3
Ausstattung: br., 167 Seiten
Preis: 13.00 Euro

3. umfangreich aktualisierte Auflage

Ein umfassender Einblick in die rechtsradikale Skinhead-Subkultur und Musikszene in Europa und den USA

White Noise beschreibt die Bands und Musiknetzwerke der militanten Neonazis in verschiedenen europäischen Ländern und den USA. Durch diesen Überblick wird aufgezeigt, wie weit sich die »Internationale des Skinhead-Rock« bereits vernetzt hat und welche kommerziellen und ideologischen Interessen dahinter stehen.
Die Rechercheergebnisse in White Noise bieten eine gründliche Basis, um notwendige Einblicke in diese Strukturen und die daran beteiligten Bands und Neonazi-Netzwerke zu erhalten und Gegenstrategien entwickeln zu können.

„…ein sehr gut recherchiertes Buch, das trotz der Fülle an Fakten unterhaltsam zu lesen ist und in keinem antifaschistischen Bücherschrank fehlen sollte. Als Standardwerk für Lehrer und allen in der Jugendarbeit Tätigen nur zu empfehlen!“
Antifaschistische Zeitung

"Die HerausgeberInnen - das Antifaschistische Infoblatt, die schleswig-holsteinische Antifa-Zeitung Enough is Enough und die "reihe antifaschistischer texte" im Unrast Verlag - bieten fundierte Recherchen auch über den deutschen Tellerrand hinaus."
Jungle World


Vorwort für die deutsche Ausgabe

Seit 1991 produzierten über einhundert deutsche Bands knapp fünfhundert verschiedene CDs mit überwiegend neonazistischen, rassistischen Texten in einer Stückzahl von wenigen hundert bis zu 15.000 Exemplaren. Insgesamt muss von einer Gesamtmenge von etwa 1,5 Millionen produzierten CDs ausgegangen werden. Rechtsrock hat sich mittlerweile zu einem Millionengeschäft entwickelt. Die CDs sowie ein breites Angebot mit rassistischen und neonazistischen Accessoirs wie T-Shirts oder Aufnähern werden über ein Netz von mehr als 50 Vertrieben und Labels sowie Szene-Läden vertrieben. Innerhalb dieses Produktions- und Vertriebsnetzes nehmen organisierte Neonazis eine herausragende Stellung ein. Sie haben früh erkannt, dass insbesondere über Musik massiv Einfluss auf große Teile der Jugendlichen gewonnen werden kann. Auch wenn viele der Jugendlichen, die regelmäßig rechte Musik konsumieren, den individuellen Schritt zum organisierten Neonazi nicht vollziehen: Bei genauer Analyse der Entwicklung wird – wie in diesem Buch beschrieben – deutlich, dass es für die neonazistische Jugendkultur auf absehbare Zeit keine Nachwuchssorgen und für das damit verbundene Geschäft keine Absatzprobleme geben wird.
Schon heute ist in bestimmten Regionen, insbesondere in den neuen Bundesländern, aber auch in ländlichen Gegenden und Vorstadtbezirken im Westen, eine rassistische und neonazistische Jugendkultur vorherrschend. Neonazis versuchen unter massivem Einsatz des Mediums Musik, ihr Konzept der »national befreiten Zonen« durchzusetzen. Dahinter verbirgt sich der Versuch, das Alltagsleben der lokalen Jugendlichen und später der gesamten Bevölkerung durch eigene Initiativen und Freizeitangebote, aber auch durch Drohung und Gewalt gegen ihre Gegner – teilweise auch gegen alle, die nicht ihrer rechten Meinung zustimmen – zu dominieren. Das organisierte Auftreten und die Hegemoniebestrebungen der Neonazis sowie ihre Dynamik und Reproduktionsfähigkeit lassen SoziologInnen mittlerweile darüber streiten, ob nun ein neuer Qualitätssprung erreicht ist oder nicht: Ein Wandel von einer rechten Szene hin zu einer Bewegung oder gar zu einer »neuen sozialen Bewegung von Rechts«.
Bislang wurde diese neu entstandene Jugendkultur oftmals als Subkultur, laut Duden eine »(…) von einer bestimmten Gruppe getragene Kultur mit eigenen Normen und Werten«, begriffen. Die sich in dieser Szene bewegenden Jugendlichen wurden so am gesellschaftlichen Rand verortet. Sie werden als gesellschaftliche Randgruppe konstruiert, als Opfer der Gesellschaft gesehen und sollen mittels staatlicher und sozialpädagogischer Maßnahmen in die Gesellschaft reintegriert werden. Dieser Ansatz muss bestenfalls als paradox und verharmlosend angesehen werden. Er ignoriert, dass sich in dieser Jugendkultur keine Ablehnung des herrschenden Wertesystems findet – ganz im Gegenteil: Es herrscht eine ausgeprägte Identifizierung mit den Werten Leistung, Status, Karriere und Geld vor. Eine strikte Ablehnungshaltung, die sich oft in Gewalttätigkeiten ausdrückt, erfahren unter anderem Menschen, die subjektiv als leistungsunwillig oder leistungsunfähig wahrgenommen werden. Eine Auflehnung gegen bestehende gesellschaftliche Normen findet allenfalls auf der Ebene der Mittel statt, die zur Verteidigung der gemeinsamen Werte eingesetzt werden.
Eine massive Einflussnahme auf diese Jugendkultur wird vor allem möglich, weil organisierte Neonazis über ein internationales und weitverzweigtes Netzwerk verfügen, mit dessen Hilfe Produktion und Versand des Rechtsrocks – oft auch unter Umgehung nationaler Gesetze – sowie die Durchführung von Konzerten ermöglicht werden.
Die vorliegende Veröffentlichung ist eine Übersetzung des 1998 von der in England erscheinenden, internationalen antifaschistischen Zeitung Searchlight herausgegebenen Buches White Noise. Die englische Originalausgabe war konzipiert als eine Art Zwischenbericht, als Darstellung der Entwicklung der internationalen Neonazi-Musik-Szene. Der Schwerpunkt lag – logischerweise – auf dem englischsprachigen Raum. Wir haben das Konzept des Buches beibehalten. Es war aber notwendig, für eine deutsche Ausgabe den Deutschland betreffenden Beitrag komplett neu zu schreiben und die aktuellen Entwicklungen des Jahres 1999 mit einzubeziehen. Alle anderen Texte haben wir lediglich übersetzt. Auf die dramatischen Ereignisse des letzten Jahres in Schweden wird in einem zusätzlichen Text gesondert eingegangen. Der Text der Originalausgabe, der sich mit neonazistischer Propaganda im Internet beschäftigt, wurde durch einen uns dankenswerterweise vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) zur Verfügung gestellten Artikel ersetzt; der Originaltext war durch die rasante Entwicklungen im Internet deutlich überholt.
Auch das Vorwort der englischen Originalausgabe ist beibehalten worden. Selbst wenn wir der darin enthaltenen Aufforderung an das Europaparlament, stärker und entschlossener gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorzugehen, kritisch gegenüberstehen, wollen wir den LeserInnen der deutschen Ausgabe das Vorwort des Europaabgeordneten Glyn Ford nicht vorenthalten. Es zeigt, dass es sehr wohl auch auf parlamentarischer Ebene Kräfte gibt, die unseren Kampf unterstützen. Insbesondere das gegenüber Searchlight bekundete solidarische Verhältnis soll diejenigen ermutigen und anspornen, die sich immer wieder durch den tatsächlichen oder vermeintlichen Druck der Mehrheit daran gehindert sehen, öffentlich und eindeutig Position zu beziehen – gegen rassistische und neonazistische Ideologie, gegen Verharmlosung und Totalitarismusansätze, unabhängig davon, ob sie von etablierten Parteien oder Neonazi-Organisationen vertreten werden.
Nick Lowles und Steve Silver beschreiben im ersten Beitrag die Wurzeln der britischen Skinhead-Kultur. Oft wird versucht, diese Wurzeln auch für die Entstehung einer deutschen Skinhead-Szene zu bemühen. Doch muss festgestellt werden, dass es hier niemals eine vergleichbare Jugendszene gab. Die britischen Industriegebiete, in denen die Skinheadkultur geboren wurde, und die gesellschaftliche Situation in Großbritannien sind kaum mit der (west-) deutschen Realität, in der sich Anfang der 80er die ersten Skinheads auf deutschen Straßen zeigten, vergleichbar.
Der Beitrag zur Entwicklung der Organisation Blood & Honour zwischen 1987 und 1992 ist ein Beispiel für antifaschistische Recherchearbeit und unser Ausgangspunkt, neonazistische Musik in einen politischen Zusammenhang einzuordnen: Wie politisch ist Musik? Wie kann Musik zum Träger einer bestimmten politischen Ideologie werden? Warum halten wir einige hundert aktive Neonazis, die über Konzerte, Musikproduktion und Vertriebswege verfügen, für besonders gefährlich?
Andere neonazistische Organisationen haben die Möglichkeiten, die das Netzwerk von Blood & Honour bietet, schnell erkannt und ahmen ihrem Vorbild nach. Eine besondere Rolle spielt dabei der Aufbau internationaler Netzwerke, die in verschiedenen Beiträgen untersucht werden. In den letzten Jahren hat insbesondere die Zusammenarbeit deutscher Neonazis mit Vertriebsfirmen in Dänemark und Schweden ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Die in Dänemark beheimatete Organisation NS88 unter Leitung von Marcel Schilf, einem in Deutschland geborenen Dänen, hat dabei eine Schlüsselrolle gespielt.
Diese aktuelle Entwicklung nahm ihren Anfang mit der Gründung des Blood & Honour-Netzwerkes in England, das über die Musikproduktion und den Vertrieb durch die Neonazi-Terrorgruppe Combat 18 und ihre Plattenfirma ISD-Records europaweite Ausdehnung und Bedeutung gewann. Am Beispiel von ISD-Records wird deutlich, welche wirtschaftliche Potenz in dem neuen Markt steckt. Neonazimusik konnte schon Mitte der 90er-Jahre Hunderttausende von Mark erwirtschaften, heute dürften es allein in Deutschland Millionen sein. Der Doppeleffekt könnte dabei zu einer enormen Dynamik führen: Einerseits werden Zigtausende an Musikträgern mit rassistischer, neonazistischer Musik überwiegend unter Jugendliche gestreut; andererseits fließen große Mengen Geld direkt in die Hände neonazistischer Funktionäre und Organisationen. Wie C18 finanziell und politisch vom Blood & Honour-Netzwerk profitierte, beschreibt der Artikel über ISD-Records.
Gerade das Blood & Honour-Netzwerk hat in der letzten Zeit die vorherrschende Rolle in der europäischen Neonazi-Musik-Szene übernommen. Die Entwicklung innerhalb dieser Bewegung hat inzwischen eine Dynamik erlangt, die eine permanente Aktualisierung in der Recherche erfordert. Wir haben, um dieses Buch überhaupt veröffentlichen zu können, unseren Stand der Recherche in der deutschen und skandinavischen Szene Ende 1999 abschließen lassen: Neuere Entwicklungen werden neue Veröffentlichungen erfordern.
Am Beispiel Deutschlands wird deutlich, wie stark die Entwicklung dieser von neonazistischen Einflüssen durchdrungenen Jugendkultur an einen gesamtgesellschaftlichen Rechtstrend gekoppelt ist. Es wird auch klar, dass die Behandlung als Subkultur, wie sie von zahlreichen »ExpertInnen« pädagogisierend vorgenommen wird, der Realität der Rechtsrock-Szene nicht gerecht wird. Der deutsche Beitrag setzt sich insbesondere damit auseinander, wie neonazistische Organisationen planvoll die Rechtsrock-Szene zu ihrem Propagandafeld entwickeln und welche gesellschaftlichen Umstände ihnen dieses erleichtern und ermöglichen. Rechtsrock und die dahinterstehenden Neonazi-Musik-Netzwerke sind in Deutschland inzwischen der entscheidende Motor bei der Rekrutierung von Jugendlichen in die Neonazi-Szene.
Ähnliche Entwicklungen wie in Großbritannien und Deutschland zeigen die Beiträge aus Schweden, Polen und den USA auf. Obwohl völlig unterschiedliche Voraussetzungen gegeben sind, lassen sich doch immer wieder Parallelen feststellen. Über Vertriebsnetze, die größtenteils halblegal aufgebaut werden, gelingt es, einen starken Einfluss auf Teile der Jugendkultur zu gewinnen. Eckpfeiler dieser Dynamik sind die Verankerung von Mitgliedern neonazistischer Organisationen im Kern der Musikszene, also Bands, Plattenlabels oder Vertriebsfirmen, sowie eine wahrnehmbare rassistische Grundstimmung in Teilen der Gesellschaft.
Der Artikel über Neonazi-Musik im Internet zeigt auf, wie die rassistische, antisemitische und sexistische Ideologie der Neonazis in einem scheinbar anonymen Raum ihre ungeschminkte Brutalität entfaltet. Der Autor hat sich auf die Suche nach Anbietern neonazistischer Musik im Internet gemacht und die neueste nutzbare Technik der direkt aus dem Netz ladbaren Musikstücke im MP3-Format angewandt. Herunterladbare Musik aus dem Netz kennt keine Indizierungen mehr, Kontrolle über strafrechtlich relevante Inhalte dieser Musikstücke wird zur Makulatur und übrig bleibt der Kern neonazistischer Ideologie – menschenverachtende Texte und Verherrlichung des Nationalsozialismus.
Die Schlussbemerkung der englischen Originalausgabe kommt zu dem Ergebnis, dass staatliche, also repressive Maßnahmen, schon deshalb nicht ausreichen werden, um das neu entstandene Neonazi-Musik-Netzwerk zu zerschlagen und die Verbreitung der Rechtsrock-Kultur einzudämmen, weil die staatlichen Institutionen nur dann zu reagieren scheinen, wenn sie von außen unter Druck gesetzt werden. Diese für Großbritannien gezogene Schlussfolgerung bildet für uns den Ausgangspunkt eigener Betrachtungen. Einerseits bleibt antifaschistische Recherche und Aufklärung eine der zentralen Aufgaben – nur wenn öffentlich bekannt ist, wer hinter den verschiedenen Strukturen der Rechtsrock-Szene steht, können Gegenaktivitäten durchgeführt werden. Diese Strukturen müssen aufgedeckt und destabilisiert werden. Andererseits ist es aber weiterhin die Hauptaufgabe antifaschistischer Aktivitäten, der gesamtgesellschaftlichen Rechtsentwicklung entgegenzutreten. Der Rechtsrock erreicht seine Konsumenten dort, wo sie sich von Hause aus verorten. Nur wer schon zumindest rudimentär über ein rassistisches Weltbild verfügt, wird einen Zugang zu der menschenverachtenden Ideologie finden, die die heutige Neonazi-Musik verbreitet. Nur diejenigen, für die heute schon jede Abweichung von gesellschaftlicher Norm auf der Ebene von Leistungsfähigkeit, Aussehen, Sprache, Kultur oder sexuelle Orientierung bedrohlich und verachtenswert ist, werden den in der Neonazi-Musik postulierten Vernichtungsfantasien Beifall zollen und sie als Aufforderung zum Handeln verstehen. Es handelt sich hier nicht um eine Kultur, die sich in Abgrenzung zu den bestehenden gesellschaftlichen Werten unter vermeintlich ausgegrenzten, randständigen Jugendlichen verbreitet – im Gegenteil, es handelt sich um eine Kultur, die direkt an zentralen Werten eines beachtlichen Teils dieser Gesellschaft ansetzt und diese auf die Spitze treibt.
Auch wenn die Fakten und Entwicklungen, die in diesem Buch aufgezeigt werden, zunächst erschlagend wirken: Wir halten es nach wie vor für möglich, der menschenverachtenden Ideologie der Neonazis eine breite gesellschaftliche antirassistische und antifaschistische Mobilisierung entgegenzustellen. Dafür bedarf es wesentlicher Grundvoraussetzungen: Jugendliche, die Alternativen zu rechtem Mainstream entwickeln, benötigen Unterstützung, um ihre eigenen (Frei-)Räume aufzubauen und damit wichtige Gegenpole in oftmals schon rechts dominierten Gegenden zu schaffen und zu erhalten. Solidarische Unterstützung von MigrantInnen und AsylbewerberInnen nicht nur gegen gewalttätige rassistische Angriffe, sondern auch gegen den alltäglichen und institutionellen Rassismus gehört ebenso dazu, wie die oftmals mühseligen Versuche, in lokalen Bündnissen gegen Rechts über den eigenen Tellerrand hinaus neue Verbündete zu gewinnen und damit Einfluss auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen. Denn neonazistischer Ideologie kann der Boden nur durch eine breite solidarische und vor allem für Jugendliche attraktive Gegenbewegung entzogen werden. Das vorliegende Buch kann begriffen werden als deutschland- und europaweite Übernahme der Kampagne »Turning down the sound of hate«, die Searchlight in England seit Jahren gegen Neonazi-Musik vorantreibt: Stoppt den Sound des Hasses!

Wir haben, im Unterschied zu den englischen Originaltexten, denen allerdings teilweise ihrerseits bereits Übersetzungen zugrunde lagen, nicht die Bezeichnung »Nazi« verwendet. Wir bezeichnen diejenigen, die heute bewusst wieder nationalsozialistische Ideologie und Symbolik verwenden und verbreiten, als Neonazis. Denn der ideologische Bezug dieser Bewegung ist im Kern derselbe. Besonders deutlich wird dies in der Eigenbezeichnung neonazistischer Musik als White-Power-Musik. Der Kampf um die eigene, »weiße« Rasse ist das vorherrschende Thema ihrer Lieder, ein Rassismus brutalster Form ihr Programm. Die Bezeichnung des bedeutendsten Netzwerkes neonazistischer Musik, Blood & Honour – Blut und Ehre – hat ihren Ursprung in den Nürnberger »Blutschutz-«Gesetzen« des Nationalsozialismus von 1935. Diese Gesetz hieß ausführlich: Gesetz »zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre«. Eindeutig wird auch der Bezug zum NS durch die von den Neonazi-Musikern verwendeten Codes: So steht die oft benutzte Zahl 88 doppelte Nennung des achten Buchstaben des Alphabets für HH, was nichts anderes als »Heil Hitler« heißt, 18 hat in dieser Logik die Bedeutung von »Adolf Hitler«. Auch die Symbolik des »Dritten Reichs« kehrt auf den Covern der CDs immer wieder: SS-Runen, Wehrmachts- und Landserbilder, die Ästethik von Arno Breker, Albert Speer und Leni Riefenstahl. Innerhalb Deutschlands war gerade diese Bezugnahme in der Vergangenheit oft Anlass zu Indizierung und strafrechtlicher Verfolgung, was die Neonazi-Bands und ihre Vertriebe lediglich veranlasste, Produktion und Vertrieb ins Ausland zu verlagern und NS-Symbolik um so offensiver zu benutzen.
Bei der Übersetzung haben wir englische Fachbegriffe und feststehende Begriffe in der Umgangssprache der Jugendkultur unverändert gelassen. Sie sind zum Großteil inzwischen im deutschen Sprachgebrauch integriert und erklären sich aus dem Zusammenhang. Die von Neonazis offensiv betriebene »Eindeutschung« von englischen Bezeichnungen – so wird von T-Hemden statt T-Shirts und Trommler statt Drummer gesprochen – macht in ihrer Lächerlichkeit deutlich, dass solche Begriffe nicht übersetzbar sind. Darüber hinaus haben wir auch ein Namens- sowie ein Sachregister erstellt, die helfen sollen, den Überblick zu bewahren und das Buch auch als lexikalisches Nachschlagewerk zum Thema Neonazi-Musik nutzbar machen.
Wir verwenden im gesamten Text die geschlechtsneutrale Form »-Innen«, soweit nicht ausschließlich Männer gemeint sind. Obwohl Neonaziorganisationen überwiegend männerdominiert sind, haben wir uns aus grundsätzlichen Erwägungen für diese geschlechtsneutrale Sprachregelung entschieden. Einerseits geht es uns darum, die durch die deutsche Sprache überlieferte Männerdominanz zu vermeiden. Andererseits wollen wir auch nicht suggerieren, es gäbe keinerlei Aktivitäten von Frauen in diesen Organisationen und deren Umfeld. Insbesondere in dem im Buch ausführlich dargestellten Blood & Honour-Netzwerk sind offensichtlich mehr Frauen aktiv als in anderen Neonazi-Gruppierungen.
Zuletzt möchten wir uns bei all denjenigen bedanken, ohne die dieses Buch nicht hätte erscheinen können. Zuerst bei den HerausgeberInnen der Originalausgabe, dem Team der antifaschistischen Zeitung Searchlight, die uns erlaubt haben, ihr Buch zu übersetzen und in Teilen zu aktualisieren. Besonderer Dank auch an die ÜbersetzerInnen und KorrektorInnen und an unsere FreundInnen aus Schweden, die kurzfristig einen Text über die neuesten Entwicklungen der dortigen Neonazi-Musik-Szene beigesteuert haben und die als aktive AntifaschistInnen zurzeit besonders vom Neonazi-Terror bedroht sind. Dank auch an diejenigen, die die Übersetzungen und die Produktion des Buches finanziell unterstützt haben: Netzwerk e.V. aus Berlin und das Kneipenkollektiv Sous le Pont in der Reitschule Bern. Darüber hinaus bedanken wir uns beim Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung für die Abdruckerlaubnis des Internet-Artikels. Dank auch an C. Ditsch/Version, der uns Reproduktionen aus Video-Filmen zur Verfügung gestellt hat. Aber vor allem bedanken wir uns bei den vielen UnterstützerInnen unserer antifaschistischen Recherche in Deutschland und international, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten und ohne die dieses Buch nicht möglich wäre.

Die HerausgeberInnen der deutschen Ausgabe:
Antifaschistisches Infoblatt, Enough is Enough und rat, Januar

aus dem Inhalt

Glyn Ford
Die internationale Skinhead-Bewegung
Einführung

Nick Lowles und Steve Silver
Vom Skinhead zum Bonehead
Die Wurzeln der Skinhead-Bewegung

Steve Silver
Das Netz wird gesponnen
Blood and Honour 1987-1992

Nick Lowles
Goldesel des White Power
ISD Records

Michael Weiss
Begleitmusik zu Mord und Totschlag
Rechtsrock in Deutschland

Stieg Larson
racism inc.
White-Power-Music made in Sweden

Olle Meurling
Die Eskalation des White-Power-Terrors
White-Power-Musik in Schweden 1998-1999

Rafal Pankowski
Oi!-für das Vaterland
Neonazimusik in Polen

Leonard Zeskind
Black Moon rising
White-Power-Skins in den USA

Stefan Jacoby
Der virtuelle Untergrund
Neonazis im Internet

Nick Lowles und Steve Silver
Der rassistischen Musik den Saft abdrehen
Schlussfolgerungen

Personenregister

Sachregiste


die HerausgeberInnen

Searchlight – ein mittlerweile weltweites Netz von antifaschistischen Recherchegruppen und Korrespondenten. Seit 20 Jahren existiert die gleichnamige britische antifaschistische Zeitung, aus der heraus dieses Netzwerk aufgebaut wurde.
Antifaschistisches Infoblatt – bundesweites Magazin aus Berlin.
Enough ist Enough – antifaschistische Zeitung aus Schleswig-Holstein.
reihe antifaschistischer texte


weitere Bücher zum Thema:
Andreas Speit (Hg.) - Ästhetische Mobilmachung
Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien
White Noise - Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour - Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene
RechtsRock - Bestandsaufnahme und Gegenstrategie

alle Bücher der:
reihe antifaschistischer texte


Projekte zum Thema im Internet

Texte bei Wikipedia :
Judenfeindlichkeit
Rechtsextremismus
Rechts Rock

Informationen des IDGR

Aus der Rubrik: Politik - Antifaschismus