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Die stark gekürzte Studienausgabe ist nach wie vor erhältlich.
Ab Frühjahr 2012 als eBook wieder erhältlich!"
AfrikaBilder stellt eine
innovative, materialreiche und fundierte kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Rassismus dar, die - in der Literatur sonst meist unberücksichtigt - hierbei die rassistische Diskriminierung und die (neo)kolonialen Verbrechen an Menschen schwarzer Hautfarbe in die aktuelle Diskussion um Rassismus einfügt.
Ein gutes, ein äußerst empfehlenswertes Buch!"terz Pressespiegel: http://www.terz.org/texte/texte_04_02/book.htm
terz 4/02
Düsseldorfs Stattzeitung für Politik & Kultur
bookAfrikaBilder
Der Unrast-Verlag hat mit der Herausgabe eines neuen Sammelbandes zum Thema Rassismus ein beachtenswertes Grundlagenwerk bereitgestellt. Sicher - Analysen des Rassismus gibt es massenhaft. Die "AfrikaBilder" haben allerdings den Vorteil, dass hier aus linker Sicht ein aktueller und umfangreicher Überblick über die Diskurse zum Rassismus geliefert und in den Kontext der kolonialen Perspektive auf Afrika und die Afrikaner/innen gestellt wird. Schwarze - so wird in den Analysen verdeutlicht - sind nicht nur Opfer rassistischer Anfeindungen und Gewaltakte. Anhand eines Einblicks in die Geschichte des preußisch-deutschen Kolonialismus verdeutlicht Herausgeberin Susan Arndt zudem, dass Menschen schwarzer Hautfarbe zudem Objekte sexualisierter rassistischer Projektionen sind. Diese Sexualisierung des Rassismus - Arndt benutzt hierbei den Begriff der "Ethnopornographie" - speist sich aus dem kolonialen Blick auf die sogenannten Primitiven Wilden, die keine Moral und Zivilisation kennen und somit zum bevorzugten Objekt enttabuisierter Sexual- und Vergewaltigungsphantasien degradiert werden. Arndt führt hierzu das Beispiel des Films "Die Sünderin" mit Hildegard Knef als der ersten nackten weißen Frau im deutschen TV an, was riesige Proteste auslöste, während zugleich nackte schwarze Frauen in Gips und Marmor als Tischfiguren oder Aschenbecher die bundesdeutschen Wohnzimmertische schmückten. Das rassistische Bild von Menschen schwarzer Hautfarbe als "wilden und enthemmten Tieren" birgt sexuelle Projektionen in sich, die Mord und Vergewaltigung rechtfertigen; ein Tatbestand, der in der deutsch-preußischen Geschichte in den Gebieten des heutigen Togo, Kamerun, Namibia und Tansania zur kolonialen Praxis wurde und in den zwanziger Jahren im Massenmord an den Hereros in Südwest-Afrika gipfelte.
In Schulbüchern, Lexika, in Museen und in Straßennamen - so wird es in dem Sammelband detailreich nachgewiesen - lebt dieser Rassismus bis in die heutige Zeit in Deutschland fort.
Der erste Teil des umfangreichen Buches beinhaltet theoretische und politikwissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Begrifflichkeiten und Erscheinungsformen von deutschem Kolonialdenken und Rassismus sowie der antisemitischen Kontinuität im deutschen Nationalbeußtsein. Hier können kritische Diskurse und Definitionen auf der Höhe der Zeit nachgelesen und für die antirassistische Praxis genutzt werden.
Der zweite Teil des Buches gibt einen interessanten Einblick in das rassistisch und kolonialistisch gefärbte Bild von Afrika in Deutschland: Filme, (Schul-)Bücher, Museen sowie Wissenschaft werden in Bezug auf rassistische Vorurteile gegenüber Afrikaner/innen kritisch betrachtet und bewertet.
Im dritten Teil steht die deutsche Innen- und Aussenpolitik im Zentrum der kritischen Analyse. Afrika als der "vergessene Kontinent" - das machen die Ausführungen deutlich, ist sowohl historisch wie aktuell Objekt von Ausbeutung, (Neo-)Kolonialismus und und rassistischem Überlegenheitswahn.
AfrikaBilder stellt eine innovativ, materialreiche und und fundierte kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Rassismus dar, der - in der Literatur sonst meist unberücksichtigt - hierbei die rassistische Diskriminierung und die (neo-)kolonialen Verbrechen an Menschen schwarzer Hautfarbe in die aktuelle Diskussion um Rassismus einfügt.
Ein gutes, ein äußerst empfehlenswertes Buch!
AL C.
Susan Arndt (Hrsg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland.
Unrast-Verlag 2001, 463 S., 21 Euro
http://www.fr-aktuell.de/fr/spezial/politbuch/t2011003.htm
Blick nach Süden
Ein Sammelband zu Europas Bildern von Afrika
Von Rita Schäfer
Rassistische Denkmuster und Verhaltensweisen lassen sich keineswegs nur auf die Zirkel organisierter Rechtsextremisten reduzieren, sondern spiegeln sich in Politik und Medien, im öffentlichen und privaten Leben, so die provokante These von Susan Arndt. Die an der Humboldt-Universität tätige Afrika-Wissenschaftlerin dokumentiert mit dem von ihr herausgegebenen, fundierten und doch einer breiten Leserschaft anschaulichen Buch, wie sehr Stereotypen über Afrika und seine Bewohner die Projektionsflächen unserer Ängste und Sehnsüchte sind. Gerade deswegen stehen sie einer Auseinandersetzung mit der Vielfalt afrikanischer Gesellschaften diametral entgegen.
Überzeugend illustrieren drei Themenschwerpunkte mit insgesamt dreiundzwanzig Beiträgen die Komplexität des Problems: Während der erste Teil die historischen Hintergründe aufzeigt, konzentriert sich der zweite auf die negativen Afrikabilder in Kunst und Literatur. Schließlich legt der dritte die politischen Rahmenbedingungen dar, mit denen Afrikaner in Deutschland konfrontiert sind.
Ein Blick in die Geschichte veranschaulicht die geistesgeschichtlichen Wurzeln des Rassismus und die historischen Kontinuitäten der abwertenden Afrika-Stereotypen, wobei die unterschiedlichen Entwicklungslinien in Ost- und Westdeutschland illustriert werden. Besonders beeindruckt, wie die Historiker Jan Behrends und Patrice Poutrus die Ursachen der rassistischen Gewalt in den neuen Bundesländern aus dem Umgang mit Fremden in der DDR herleiten. Demnach führte der Widerspruch zwischen der staatlich verordneten, internationalen Solidarität und der rigiden Isolation ausländischer Vertragsarbeiter und Studierender dazu, dass die DDR-Bürger Afrikaner nur aus der Distanz wahrnahmen. So wurden der Aufbau von Kontakten und die Einübung von Toleranz systematisch verhindert. Damit sollen nicht die rechten Schläger oder diejenigen, die ihnen Beifall bekunden, aus der Verantwortung entlassen werden. Ganz im Gegenteil zeigt sich hier die enorme Herausforderung, mit der Gesellschaft und Politik zwölf Jahre nach der Wiedervereinigung konfrontiert sind.
Auch im Westen sind etliche Weichen neu zu stellen, zumal im Zuge der Wiedervereinigung die konservativ-liberale Regierung dazu überging, Nationalstolz zu predigen. Medienkampagnen mit Slogans wie "das Boot ist voll" trieben die Meinungsmache gerade gegen Afrikaner voran. Um so wichtiger sei es, eine menschenwürdige Integrationspolitik zu formulieren, bekräftigt der Politologe Christoph Butterwegge.
Es sind jedoch nicht nur die Bilder von Kriegen, Aidsopfern und Naturkatastrophen, auf die sich die Afrika-Berichterstattung in den Medien beschränkt. Sogar der Buchmarkt versäumt eine Auseinandersetzung mit den Selbstbildern von Afrikanern. Während die Verlage lamentieren, afrikanische Literatur lasse sich nicht verkaufen, sind Bücher Kassenschlager, in denen deutsche Reisende ihre Afrika-Erfahrungen zu Papier bringen und die Sehnsucht der hiesigen Leserschaft bedienen. Die lässt sich dann gar nicht mehr auf afrikanische Autoren ein, so die ernüchternde Bilanz der Literaturexperten János Riesz und Peter Ripken.
Dennoch arbeitet gerade Peter Ripken daran, Verlage für Übersetzungen afrikanischer Romane zu gewinnen und den Bekanntheitsgrad afrikanischer Schriftsteller durch Lesereisen zu fördern. Viel wäre getan, wenn afrikanische Kinder- und Jugendbücher in den schulischen Fächerkanon integriert würden, so die Forderung des Anglisten Peter Bräunlein. Doch auch die Kinder- und Jugendbuchverlage erweisen sich äußerst resistent, Übersetzungen afrikanischer Geschichten in ihr Programm aufzunehmen. Bislang prägen moralisierende Entwicklungshelferberichte, die auf ein vermeintliches "Kinderniveau" heruntergeschraubt werden, diese Literatursparte, obwohl gerade afrikanische Kinderbücher von hintersinnigem Humor und persönlicher Stärke zeugen, ohne die Probleme des Kontinents auszublenden.
Susan Arndt (Hrsg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. Unrast Verlag, Münster 2001, 463 Seiten, 21 .
Alle Rezensionen zu Sachbüchern und politischen Büchern finden Sie in unserem FR-Spezial Das politische Buch
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Copyright © Frankfurter Rundschau 2002
Dokument erstellt am 14.04.2002 um 21:09:30 Uhr
Erscheinungsdatum 15.04.2002
Rezension Poenicke:
Susan Arndt (Hg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. Münster 2001, 460 S., ISBN 3-89771-407-8. UNRAST-Verlag
Die Herausgeberin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Afrikawissenschaften der Humboldt-Universiät zu Berlin (Abt. Afrikanische Literaturen und Kulturen). Ihr im Herbst erschienener Band setzt sich zu einem großen Teil aus Gastvorträgen zusammen und teilt sich auf in Geschichte und Formen von Rassismus und „Rechtsextremismus“, Artikel über konkrete Afrikadarstellungen sowie Themen aus Politik und Nichtregierungsorganisationen (NROs).
Wenn Afrika-Bilder die Bilder sind, die nach der Weiterverarbeitung von Darstellungen Afrikas tatsächlich in den Köpfen bleiben, so geht es in dem Band nicht um die Bilder, also das Endergebnis, sondern um die Darstellungen Afrikas, also den Input, auch wenn diese Darstellungen natürlich durch die Bilder in den Köpfen derer, die Afrika jeweils darstellen, geprägt sind. Befragungsergebnisse zu Bildern und Einstellungen bei Menschen in Deutschland sind also beispielsweise nicht zu finden.
Wo besteht der Zusammenhang zwischen der praktischen Afrika-Politik auf der einen, hiesigen Afrika-Darstellungen und Rassismus auf der anderen Seite? Kann es den Leuten in Afrika nicht egal sein, wie verzerrt sie hier dargestellt werden? Die Herausgeberin zeigt in ihrer umfassenden Einleitung mit Impressionen aus dem deutschen Afrikadiskurs noch einmal auf, dass beide, Politik und Diskurs, zusammengehören und einander beeinflussen. Der erste und dritte Teil leisten allgemeine Hintergrundarbeit: Themen sind u.a. Darstellungsstrukturen in Medien, die Neuen Bundesländer, Schwarze Deutsche und ihre Familien, Migration und Asyl. Zu den bekannten Namen gehören May Ayim, Christoph Butterwegge, Barbara John, Ralf Koch, Siegfried Jäger. Der zweite Teil widmet sich konkreten Afrikadarstellungen: Themen sind hier Filme der NS-Zeit (Nganang), deutsche Filme und Serien bis heute (Baer), Kinder- und Jugendliteratur (Bräunlein), afrikanische Literatur und der Umgang mit ihr in Deutschland (Riesz, Ripken), Völkerkundemuseen (Ivanov) und wissenschaftlicher Rassismus (AG gegen „Rassenkunde“).
Herausragend in diesem zweiten Teil und insgesamt ist in den Augen der Rezensentin Paola Ivanov zu „Aneignung. Der museale Blick als Spiegel der europäischen Begegnung mit Afrika“. Die ihrer Wissenschaft gegenüber äußerst (selbst-)kritische Völkerkundlerin, Lehrbeauftragte an der Universität München und noch frische Absolventin eines zweijährigen Volontariats am Berliner Ethnologischen Museum, führt durch die Epochen musealer – und ethnologischer - Aneignung Afrikas in Deutschland bis heute und analysiert deren Ziele und Auswirkungen. Die Museen, so stellt sie fest, sind mit verantwortlich für das negative Image Afrikas und seiner Menschen. Was gesammelt wird und wie es ausgestellt wird, richtet sich nach der eigenen Wahrnehmung und den eigenen Zielen der Verantwortlichen, ist also subjektiv. Doch dieses Materielle mit seiner geordneten Ausstellungsweise und Beschriftung erscheint als objektives Zeugnis. Die Wurzeln für die allgemeine „überbordende Sammelleidenschaft“ liegen im 16./17. Jahrhundert, also im Erkundungs- bzw. Eroberungszeitalter. Man eignete sich „die Welt im materiellen und geistigen Sinne an und demonstrierte deren Besitz“. Die Autorin zeigt, dass speziell aus Afrika im 15. und 16. Jahrhundert einige Pretiosen gesammelt wurden, das Interesse dann aber erst wieder, und überhaupt so richtig, kurz vor der Kolonisierung einsetzte, als ob sich in der Zeit dazwischen, der des transatlantischen Sklavenhandels nämlich, „das Interesse für Afrika im Entwenden von Menschen erschöpft hätte.“
Der kolonialen Aneignung ging die museale (und die „wissenschaftliche“) Aneignung voraus. Die Afrika-Reisenden waren als „Bezwinger des dunklen Erdteils“ gefeierte Helden, so Ivanov. Besonders gerne zeigten sie sich auf Photos mit den Waffen der Afrikaner, und so taten es auch die Museen; Afrika war in diesen Inszenierungen wild, gefährlich – und bezwungen. Das nützliche Bild vom geschichtslosen Kontinent, dessen Vergangenheit lediglich ziellos kriegerisch und statisch gewesen sei, wurde bestätigt. Neben Waffen waren in der Kolonialzeit „Fetische“ besonders beliebt, wobei die Reisenden dieses Schlagwort bald fast allen Darstellungen von Menschen und Tieren zuordneten, so dass es in den Inventarbüchern vor „Fetischen“ nur so wimmele, was heute nur in Einzelfällen noch zu korrigieren sei bei den auch sonst oft falsch kategorisierten Gegenständen. Die komplexen Religionen Afrikas blieben den Reisenden verborgen, die Fetischisierung kam in Europa anscheinend allen entgegen.
Nicht nur wurde Kunst aus Afrika lange nicht neben Kunst aus Europa ausgestellt und wird, weiterhin, die Geschichte Afrikas nicht neben der Geschichte Europas gezeigt, statt dessen dies alles in Museen, die für angeblich Geschichts- und Kunstlose konzipiert waren, sondern es ist noch schlimmer, wie die Autorin hervorhebt: Traditionell wurden, und werden teilweise bis heute, Afrikas Kulturen – wie Europa sie versteht – zusammen mit seiner Natur ausgestellt und damit als solche gar nicht anerkannt, etwa an so prominenten Orten wie dem American Museum of Natural History und Tervuren. Oder Afrikas Geschichte wird in Museen für Vorgeschichte gezeigt. Beide Darstellungsstrukturen finden in Schulbüchern, Medien etc. ihre Entsprechungen und sind kein Zufall: „Das Interesse galt also von vornherein nicht den lebenden Menschen und den aktuellen Kulturen (...) die Erzeugnisse und ihre Produzenten wurden de facto in die Vergangenheit projiziert, was ein Verstummen lassen der lebenden Afrikaner und die Verweigerung der Beziehung mit ihnen zur Folge hatte.“ Dazu gehört auch, dass in dem Bemühen, ein „traditionelles“, also die Idee des „authentisch“ primitiven und statischen Afrika darzustellen, neue Materialien und Formen bei den Sammlern verpönt waren, urbane Entwicklungen bewusst übersehen und lieber Masken gekauft wurden, die nie getragen sondern extra zum Verkauf angefertigt worden sind – aber den Vorstellungen der Käufer entsprachen, einmal abgesehen davon, dass sie unafrikanisch ausgestellt wurden, das Wesentliche, die eigentliche Inszenierung und Kunst, fehlte.
Individualität der Künstler und Künstlerinnen wurde dabei nicht in Betracht gezogen, sondern Beschriftungen wie „Figur, Chokwe, Angola“, auch für künstlerisch individuell geprägte und hochwertige Objekte, ethnisieren bis heute, obwohl dies wissenschaftlich nicht haltbar ist. Deprimiert stellt Ivanov abschließend fest, dass die Integration afrikanischer Kunst in die europäische Kunstszene durch Picasso und Kollegen auch nicht zu größerem Respekt gegenüber Afrika geführt habe, weil die nur sahen, was sie sehen wollten, nämlich die „reine Form“. Man verachtete die Objekte nicht mehr, weil man sie als „primitiv“ ansah, sondern man bewunderte sie aus demselben Grund – und ließ sich inspirieren. Vielleicht darf die Rezensentin abschließend den Blick auf hoffentlich zukunftsweisende Ausstellungen wie jene von ca. 80 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, darunter große Namen, aus Senegal 1990 in Paris lenken, als Beispiel dafür, wie Europa wieder lernen kann, zuzuhören.
Die AG gegen „Rassenkunde“, und damit zurück zu einigen besonders empfehlenswerten Artikeln des Sammelbandes, wurde 1995 als Initiative von Studierenden an der Universität Hamburg gegründet, um auf die „Rassekunde“-Vorlesungen am Humanbiologischen Institut ihrer Universität öffentlich aufmerksam zu machen. Autorinnen und Autor des Artikels (Britta Bergmann, promoviert in Medizin, Johann Knigge, Diplom-Politologe und Leiter internationaler Jugendseminare zu Rassismus-Themen, Ruth Stiasny, Diplom-Sozialwissenschaftlerin) analysieren biologistisch-rassistische, sexistische und andere diskriminierende, wissenschaftlich heute nicht mehr haltbare Inhalte aus der Lehre des Instituts und den Publikationen der Lehrenden, geben Beispiele und erläutern Hintergründe zu Tradition und heutigem Personal des Instituts. Über die Ergebnisse ist bundesweit berichtet worden, geändert hat sich anscheinend wenig, so wenig wie in vielen Lehrplänen und Schulbüchern zu dem Thema.
Peter Ripken, der Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. (Frankfurt/M.), erläutert in seinem Artikel die besonderen Schwierigkeiten in Deutschland mit der Rezeption afrikanischer Literatur und geht dabei auf Strömungen und eine ganze Reihe einzelner Werke genauer ein. Er tut dies kenntnisreich, mit so viel Schwung und Liebe, dass bei der Lektüre wohl nicht nur die Rezensentin weitere Anregungen und eine unbändige Lust bekommt, sich bald wieder in Sprach-, Denk- und Erlebniswelten nigerianischer, malischer und anderer Autorinnen und Autoren hineinzulesen. János Riesz geht in der Betrachtung der „unterbrochenen Lektion“ u.a. seiner These nach, dass die zahlreichen deutschen Autorinnen, auch Autoren, die Romane über Afrika bzw. mit afrikanischer Kulisse schreiben, das vorhandene Interesse an Literatur über Afrika aufsaugen und damit Übersetzungen afrikanischer Autoren und Autorinnen auf dem deutschen Markt verdrängen.
Die beiden Artikel, die den Band abschließen, sind von Gerd Poppe über Menschenrechte in Afrika bzw. die Menschenrechtspolitik der Bundesregierung und von Cord Jakobeit über die sogenannte Entwicklungshilfepolitik. Poppe, einer der bekanntesten Vertreter der DDR-Opposition, ist seit 1998 Beauftragter des Auswärtigen Amtes für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Seine diplomatischen Ausführungen eigneten sich vorzüglich als Hochglanzbroschüre für das Amt. Das Gegenteil trifft zu auf die fundierten und sehr kritischen Ausführungen des Direktors des Instituts für Afrika-Kunde in Hamburg, Jakobeit. Der Professor für Politische Wissenschaft zeigt die erschütternde Bilanz von 40 Jahren „Entwicklungszusammenarbeit“ mit Afrika auf, benennt die grundlegenden Fehler und Entwicklungsresistenzen (trotz semantischer Änderungen) dieser Politik, mit ihrer Unehrlichkeit und entsprechender Entwicklungshelfer-Lobby, und plädiert für sofortiges „Innehalten und Umdenken“. Die klare Sprache, die er hier spricht, muss sich endlich in den entsprechenden Ministerien und NROs - und in den Afrika-Darstellungen vor allem der Medien und Schulbücher - durchsetzen, damit die Realsatire der Reaktionen afrikanischer Eliten auf unsere Zumutungen einmal nicht mehr heißt: Ihr tut, als ob ihr uns helft und wir tun, als ob wir uns entwickeln.“ (Jakobeit, S. 455)
Jos Schnurer
Rezension AfrikaBilder
"Die Deutschen halten an ihren Stereotypen von Afrika fest, als wollte man ihnen ein Spielzeug wegnehmen"
Es gibt zum Glück in der letzten Zeit einige Bücher, die mit den Vorurteilen aufzuräumen versuchen, dass der Afrikaner ein mit einem Baströckchen bekleideter, schweißtriefender, speerschwingender und tanzender "Neger" sei, der im übrigen mehr oder weniger glücklich in den Tag hineinlebe - ansonsten ein mit einer Schmarotzerpflanze identifizierter Hungerleider, der unserer Hilfe bedarf und erst dann "entwickelt" gelten können, wenn er so werde wie wir. Doch angesichts der nach wie vor in den Medien verbreiteten Bilder und in den Köpfen festgesetzten Vorurteile über die Menschen in "Schwarz-Afrika" mag man zweifeln, ob es so schnell gelingen könne, unsere Stereotypen aus dem gesellschaftlichen Alltagsdenken heraus zu bringen. Nicht der "schwarze Kontinent" ist es, der unserer differenzierten Aufmerksamkeit bedarf, sondern dem "bunten Kontinent" voller vielfältiger Kulturen und unterschiedlichen Menschen gilt es, einen neuen Blick auf Afrika zu werfen, wie dies kürzlich Christoph Plate und Theo Sommer in ihrem Sammelband (DVA 2001) getan haben. "Als Sklaverei und Kolonialismus und die europäischen Menschenrechtsverletzungen in Afrika einer moralischen Legitimierung bedurften, erfand Europa sein Afrika"; diese Einschätzung steht in einem bemerkenswerten Buch, die Ergebnisse einer Vorlesungsreihe am Seminar für Afrikawissenschaften an de Humboldt-Universität Berlin in den Jahren 2000 und 2001, vorstellen:
Susan Arndt (Hg.), AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland; Unrast Verlag, Münster, Oktober 2001, 464 S., 21 €, ISBN 3-389771-407-8
Die Herausgeberin, seit 1998 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Berliner Seminar für Afrikawissenschaften, macht deutlich, worum es ihr mit diesem Sammelband geht, nämlich "den rassistisch fundierten Afrikadiskurs nachzuzeichnen, ... tradierte Bilder zu problematisieren, Diskursformen zu analysieren, politische Konzepte zu diskutieren und konkrete politische Handlungsstrategien vorzustellen"; und zwar in unserer deutschen Dominanzkultur. Dabei wird deutlich, dass in unserer Gesellschaft, die sich gerne eine aufgeklärte, multikulturelle nennt, noch viel zu tun ist, die Stereotypen aufzudecken und damit das Bewusstsein zu ändern, die durch Medien tradiert und transportiert werden, ja selbst in den Wissenschaften und Schulen vorherrschen: "Die koloniale Darstellungsstruktur lebt in heutigen Afrikabildern fort". Der in der Kolonialherrschaft praktizierte Paternalismus, wie er zum Beispiel beim Missionar und späteren Berliner Lehrstuhlinhaber für afrikanische Sprachen und Mitglied der Akademie der Preußischen Wissenschaften, Diedrich Westermann (1875 - 1956), zutage trat - "Das Geschick des Afrikaners ist für alle absehbare Zeit mit dem des Europäers aufs engste verbunden, ja es ist von ihm abhängig, er ist der Schüler und Arbeitnehmer, wir die Lehrer und Arbeitgeber, aber auch: wir sind die Herren und er ist der Untergebene" (Berlin 1939) - ist auch heute noch nicht ausgemerzt, wie ein Blick auf die diversen Prospekte über touristische Reisen nach Afrika zeigt.
Wenn die Kommission des Europarats (ECRI), die Rassismus in den Mitgliedsländern in ihrem Bericht im Juli 2001 konstatiert, dass in Deutschland Rassismus grassiere und weit verbreitet sei, Rassismus von Staat und Gesellschaft nur mangelhaft bekämpft werde und die Ausländerpolitik der Bundesrepublik diesen Namen gar nicht verdiene, dann müsste eigentlich ein "Aufstand der Anständigen", der Demokraten und Antifaschisten einsetzen; nicht eine allzu leicht spielbare Entrüstung gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in unserem Lande, sondern ein Perspektivenwechsel, bei dem jeder einzelne sich seines eigenen, unbewussten Rassismus bewusst wird und die Erkenntnis wächst, dass es schwierig ist, nicht rassistisch zu sein (Kalpaka / Räthzel, 1994).
Der Sammelband von Susan Arndt wird gegliedert in die Bereiche "Mentalitätsgeschichte und Manifestationen von Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland", "Rassismus und Afrikabilder in Gesellschaft, Kunst und Wissenschaft" und "Afrika im Spiegel bundesdeutscher Politik und NGOs". Von May Ayim, die sich mit der afro-deutschen Minderheit in unserem Land auseinandersetzt, über Peter Ripken, der die provozierende Frage stellt: "Wer hat Angst vor afrikanischer Literatur?", bis zu Anke Zwink, die über den "alltäglichen Umgang mit Rassismus" reflektiert, versammelt das Buch 27 AutorInnen und Teams, Theoretiker und Praktiker, die sich mit ihren Beiträgen an alle Menschen in unserer Gesellschaft wenden, an Politiker genau so, wie an LehrerInnen, SchülerInnen, Eltern, an WissenschaftlerInnen und Thekensitzer. Genau so wie "Weiß-Sein" für Weiße in der Regel kein Thema ist, so dürfe doch auch "Schwarz-Sein" für ein friedliches und interkulturelles Zusammenleben in einer Gesellschaft kein Thema sein; darauf weist Ursula Wachendorfer mit Recht hin; und wenn Annelie Buntenbach in ihrem Beitrag "Blicke auf Asylpolitik" ein Antidiskriminierungsgesetz für unsere Gesellschaft anmahnt und die Schwierigkeiten aufzeigt, die dies bisher verhindern, dann wird die Diskrepanz zwischen dem "Nützlichkeitsdiskurs" (Green-card) und einer bisher nur zögerlich angefassten "Integrationsperspektive" (Barbara John) deutlich. Erst wenn die bisherige paternalistische Einbahnstraße und die Monologe der Menschen aus den sogenannten Industrieländern, den "Reichen" also, abgelöst werden durch einen gleichberechtigten kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Dialog, erst dann Rassismus in der bundesdeutschen Gesellschaft keine Chance mehr haben.
Deshalb ist dieses Buch auch ein ausgezeichneter Beitrag zu dem von den Vereinten Nationen für 2001 ausgerufenem Internationalen Jahr "Dialog zwischen den Kulturen". Es ist zu hoffen, dass es auf viele Schreib- und Arbeitstische, in Bücherregale in Schulen, Hochschulen und Volkshochschulen gelangt, weil das Lied von den "Zehn kleinen Negerlein" genau so bei uns gesungen oder (verschämt) gesummt wird, wie "Mohrenköpfe" gegessen werden; auch Anzeichen dafür, dass "Rassismus in der bundesdeutschen Gesellschaft fest verwurzelt ist". In der Präambel der UNESCO ist der Satz zu lesen, wenn "Kriege im Geist der Menschen entstehen, (müssen) auch die Bollwerke des Friedens im Geist de Menschen errichtet werden". Für "Krieg" lässt sich hier ohne Probleme setzen: "Fremdenfeindlichkeit" und "Rassismus" und den Satz ergänzen mit "Aufklärung", "Menschlichkeit" und "Toleranz".
Jos Schnurer, Dipl. - Päd. / Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
Hildesheim, 19. 1. 02