2. Auflage
Vier Student/innen schildern die Enttarnung des ehemaligen SS-Hauptsturmführers Hans Ernst Schneider, der als NS-Wissenschaftsfunktionär an Modellen eines germanischen Kerneuropa arbeitete und diese Arbeiten u.a. als Rektor der RWTH Aachen unter seiner neuen Identität als Hans Schwerte weiterführen konnte. Bei ihrer Recherche stießen sie auf noch funktionierende Nazi-Strukturen in der Nachkriegswissenschaft, auf reaktionäre Seilschaften quer durch die Wissenschaftsbereiche. Die Person Schneider erhält dabei exemplarischen Charakter.

"(...) eine Kultur- und Sittengeschichte bundesdeutscher Hochschulen der 1990er Jahre hinsichtlich des Umgangs mit der eigenen Geschichte in den Jahren des 3. Reiches." basta! 15/97
"Mit ihren Recherchen nicht nur zur Person Schneiders, sondern auch zu der eines solchen 'alten Kameraden' wie Arnold Gehlen, leisten die Autoren von Schweigepflicht einen wichtigen Beitrag zur Ideologiekritik der Universitätsgeschichtsschreibung."
Laufschrift
Auftakt: Vorstellung Ein Professor sieht anachronistische Züge – die DDR versteht sich von selbst – Darius blickt dem Untier ins Gesicht.
Prof. König, in diesem Buch oft unser Widerpart als der Legitimator für die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH), vertritt die Auffassung, die Geschichte deutscher Vergangenheitsbewältigung sei deutlich in drei Phasen zu unterteilen. In der ersten Phase, der Nachkriegszeit bis in die sechziger Jahre hinein, seien die einstigen Nazis weitgehend integriert worden, weil sie einerseits zu viele und zu einflußreich, aber auch kaum verzichtbar gewesen seien. In der zweiten Phase, von 1968 bis 1989, habe gewissermaßen die Folgegeneration dagegen rebelliert, und weil diese Rebellion sich gegen die eigenen Eltern richtete, sei sie zu emotional und irrational gewesen. Nun aber, in der dritten Phase, seien die einstigen RebellInnen selbst die Elterngeneration, die wenigen Altnazis, die noch leben, seien alt und im Grunde bedeutungslos. So könne erst heute, aus der Distanz der Spätgeborenen, die wahrhaft rationale und deshalb wissenschaftliche Vergangenheitsaufarbeitung stattfinden.
Doch was 1995 an der RWTH geschah, will sich so recht nicht in dieses Schema fügen, ist – so König selbst – „typisch eher für eine überholte Form der Auseinandersetzung mit dem Erbe der Diktatur“. Mit allen Mitteln versuchte die Hochschule, in ihrem Jubiläumsjahr die Auseinandersetzung mit ihrer Nazivergangenheit zu unterdrücken. Rektor Habetha zog es vor, sich mit infamsten Behauptungen herauszureden, statt die Konflikte – etwa nach dem Vorbild der Deutschen Bank – zeitgemäß zu integrieren, wie es Prof. König so gerne gesehen hätte. Aber auch die KritikerInnen der Hochschule waren nicht immer bereit, sich der kalten Sachlichkeit zu verschreiben. Die Tätigkeit des einstigen SS-Mannes Schneider war kein unbedeutender Teil am Verbrechen des Nationalsozialismus, und die Nazis waren nicht nur etwas, das tausende Buchstaben in den Geschichtsbüchern verursacht hat. So war auch unser bisweilen emotionales Engagement nach Prof. Königs Schema anachronistisch.
Allerdings gehören wir zur letzten Generation, die noch einzelne ZeugInnen aus der Nazizeit erleben kann, und insofern läßt sich hier ein Phasenübergang markieren. Wir sind aber auch schon diejenige Generation, für die selbstverständlich die Realitäten der westdeutschen Nachkriegszeit existierten, mit denen unsere Eltern schon aufgewachsen waren. Irgendwo gab es zum Beispiel eine DDR, aber dort war schwer hinzugelangen, und wozu auch? Uns waren die westlichen Nachbarländer – schon geographisch – viel näher, Alex und viele unserer FreundInnen wohnen selbst in den Niederlanden oder Belgien.
Manche von denen, die die Auseinandersetzungen um den Fall Schneider lieber distanziert betrachteten, als an ihnen teilzunehmen, stellten die These auf, die Streitpunkte lägen in Wirklichkeit ganz woanders, etwa gehe es eigentlich nur um die undemokratischen Strukturen der Hochschule. Andere machten es sich noch einfacher und schlossen wohl von sich selbst darauf, unser Problem sei mangelnde Anerkennung, unsere Publikationen eher Hilferufe.
Was wir im Jahr seit der Enttarnung Schneiders taten, was uns motivierte und was wir herausfanden, schildert dieses Buch. Daß dabei keine 'wissenschaftliche' Publikation entstehen würde, war klar, wollten wir doch mit jenem Wissenschaftsbetrieb brechen, dessen TheoretikerInnen „zwar die Schwanzhaare des Untiers zu zählen vermögen, ihm aber noch nie ins Gesicht geblickt haben“ (C. Boff).
Natürlich hat unsere Arbeit auch aktuelle Bezüge. Sie hatte für uns immer etwas damit zu tun, sich dagegen zu wehren, daß nach 1989 an die Zeit vor der deutschen Teilung angeknüpft wird. Unser politisches Bewußtsein entwickelte sich mit den großen Friedensdemonstrationen, und es erlangte eine andere Dimension, als einstige Friedensclowns, wie Wolf Biermann – ich hatte ihn schon als Kind mit meinen Eltern im Audimax gehört –, im Golfkrieg 1991 die Trommeln für den 'gerechten Krieg' rührten und in Deutschland eine Welle rassistischer und antisemitischer Anschläge begann. In dieser Zeit kam ich zur Fachschaft , Thomas und Alex zum Zeitungsprojekt Ein Loch in der Zensur (LiZ). Einen Höhepunkt erreichte der Protest gegen dieses neue, d.h. wieder alte Deutschland 1993 im Kampf gegen die Demontage des Asylrechts, an dem auch wir StudentInnen uns beteiligten. Im selben Jahr wurden auch weitgehende Maßnahmen vorbereitet, um die Studiengänge straffer zu organisieren und diejenigen rauszuschmeißen oder abzukassieren, die nicht in der vorgegebenen Zeit mit dem Studium fertig würden. In dieser Zeit der Streiks und Demonstrationen an den Hochschulen kam Tina zur Fachschaft. Im Engagement für den Erhalt ihres Studienfaches, der Komparatistik (Vergleichende Literaturwissenschaft), wurden wir 1994 schließlich mit den Gerüchten um die SS-Vergangenheit eines Altrektors unserer Hochschule konfrontiert. Zusammen mit Thomas und Alex, die vom LiZ zur Fachschaft gekommen waren, und vielen anderen begannen wir die Recherche und die Auseinandersetzung, die im Folgenden geschildert werden.
Wir haben dabei darauf verzichtet, neben den von diversen Wissenschaftlern angekündigten Bänden ein weiteres Werk zu verfassen, in dem entlang der Biographie eines doppelgesichtigen Schneider-Schwerte wissenschaftlich trocken recherchiert wird, oder in dem die Publikationen des einen mit denen des anderen verglichen werden. In unserem Buch sollte Schneider nicht wie zum letzten Triumph einmal mehr im Mittelpunkt stehen, sondern der aktuelle Streit um die Recherche selbst und um die langjährige MitwisserInnenschaft an unserer Hochschule. Statt falsche Objektivität zu suggerieren, erzählen wir bewußt aus unserer Perspektive. So bildet das Jahr zwischen den ersten Presseberichten im April 1995 und den ersten Versuchen einer abschließenden Bewertung 1996 den zeitlichen Rahmen, innerhalb dessen die Leserinnen und Leser unsere Recherche und unsere Diskussionen nachvollziehen können.
Standortbestimmung Eine Technische Hochschule hat keinen Strom – die Polizei schützt Rüben – Thomas feiert Erntedank.
1994 wurde die RWTH 124 Jahre alt. Das bevorstehende große Jubiläum im folgenden Jahr warf bereits erste Schatten voraus, und uns war klar, daß eine recht unerträgliche Selbstbeweihräucherung ins Haus stand. Ein Dutzend Hochschullinker setzte sich zusammen, um die Idee eines Lesebuchs zu besprechen, das der offiziellen Geschichtsklitterung zumindest ein paar kritische Seitenhiebe versetzen könnte.
Wie empfindlich die Hochschule auf jede Störung ihrer Jubeltage reagieren würde, machten die studentischen Überlieferungen über das letzte, das hundertjährige Jubiläum deutlich. Damals, 1970, hatte der noch linke AStA die Einladung zur Feierstunde dazu genutzt, eine radikale und provokante Kritik an der Hochschule zu formulieren. Der AStA-Vorsitzende hatte seine Festrede mit der Bemerkung eröffnet, hundert Jahre Forschung im Dienste des Kapitals seien kein Grund zu feiern. Und schon war ihm der Strom abgedreht, das Rederecht entzogen worden. Der hochoffizielle Zensurfall war durch die Presse gegangen und hatte die Feststimmung dadurch ein klein wenig vermasselt. Der damalige Rektor hieß Hans Schwerte: eine angesehene Persönlichkeit – so hieß es zumindest – war er doch der einzige Rektor, den die 1965 neu gegründete Philosophische Fakultät in dieser technik-dominierten Hochschule jemals hat stellen können. Auch sonst soll er sich durch eine scheinbar liberale Gesinnung hervorgetan haben, die ihn auch in den Augen kritischer StudentInnen vom restlichen schwarzbraunen Sumpf der Wissenschaftsanstalt abgehoben haben soll.
Nun, vierundzwanzig Jahre später, waren in Aachen weder Schwerte noch eine größere Anzahl kritischer StudentInnen verblieben. Niemand hätte damit gerechnet, daß der hochgeehrte Altrektor sich als hochrangiger SS-Stratege entpuppen und die allgemeine Ruhe vor der 125-Jahresfeier empfindlich stören würde. Auch wir hätten es kaum für möglich gehalten, als wir erstmals über die entsprechenden Gerüchte informiert wurden. Doch ich greife der Geschichte vor.
Von der Idee, ein Lesebuch zur Hochschulgeschichte zu schreiben, abgesehen, waren die 125 Jahre fast nirgends ein Thema kritischer Auseinandersetzungen. Uns war klar, daß die Hochschulgeschichte geschönt ist, daß die NS-Zeit ebenso ausgeblendet wird wie die Kontinuität wissenschaftlicher Verbrechen vor 1933 und nach 1945. In ihren Selbstdarstellungen erschien die Hochschule nahezu als 'nazifreie' Zone. Der überwiegend deutschnationale Geist der ProfessorInnenmehrheit habe, so wurde behauptet, der NSDAP keine Anknüpfungspunkte gegeben. Die nach den Nürnberger Rassegesetzen als jüdisch eingestuften HochschullehrerInnen seien lediglich von den NazistudentInnen vertrieben worden. Auch sei die Hochschule ja eine technische und somit von aller Politik denkbar weit entfernt gewesen. Sicher, ein wenig Rüstungsforschung habe es schon gegeben, wie immer. Darauf könne mensch doch sogar stolz sein. Das Institut für Aerodynamik feierte seine Beteiligung am Bau der Nazi-'Wunderwaffe' V2 noch Anfang der 90er Jahre als technische Meisterleistung. Dieser Umgang mit der eigenen Vergangenheit war das typische deutsche Herauswinden und Weitermachen im Stil der 50er Jahre.
Eigene Recherchen anzustellen, war jedoch auch für die meisten von uns zunächst kein Thema. Zwar zeigte ein Blick ins 'Braunbuch' , daß es auch an der Philosophischen Fakultät Altnazis gegeben hatte: den Soziologen Gehlen und den Politologen Mehnert. Doch beide spukten nur noch als Geister durch die ansonsten als liberal geltenden Institute. Auch wurde die Fakultät erst in den 60er Jahren gegründet, so daß die Suche nach relevanten NS-Strukturen hier wohl ins Leere laufen würde.
Unser Alltag in der Fachschaft Philosophie war ohnehin von anderen Auseinandersetzungen bestimmt. Der Hochschulstreik gegen die Verschulung und Verkürzung des Studiums war vorbei, und es galt Bilanz zu ziehen. Seit Jahren war die Entwicklung hin zu einer verschärften Selektion nach Leistungsfähigkeit und wirtschaftlicher Verwertbarkeit an den Hochschulen zu beobachten. Anstelle des ohnehin niemals verwirklichten Lippenbekenntnisses zur 'Chancengleichheit für alle' wurde immer offener die Elitebildung gefordert. Autoritäre Tendenzen waren unübersehbar. Die Burschenschaften, jene im Stile des 19. Jahrhunderts kostümierten studentischen Männerbünde in der Braunzone zwischen CDU und Neofaschismus, fühlten sich wieder im Aufwind. Besonders aber erschreckte uns, daß immer mehr StudentInnen in den verschärften Bedingungen eine Verbesserung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt sahen und das natürlich letztlich auf Kosten derer, die im gleichen Zuge unter die Räder gerieten. Damit verbunden waren politische Gleichgültigkeit und die Identifikation vieler mit ihren LehrerInnen, Instituten, Fakultäten und der 'uns alle' umfassenden Hochschulgemeinschaft, mit dem 'Standort Deutschland' und der 'Nation Europa'. Zwar war all dies in unserer Fakultät noch nicht so weit fortgeschritten, wie in den technischen Fächern, dennoch wäre es ein paar Jahre früher gewiß nicht in diesem Maße ignoriert worden, daß im Juli 1994, wegen eines Plakates gegen den § 218, gleich mehrfach Fachschaftsfenster eingeworfen wurden. Die Hochschulleitung nahm dies zum Anlaß, mit einem Aushangverbot für alle Plakate zu drohen: „In den vergangenen Wochen mußten bereits vier Fensterscheiben – der von ihnen als Plakatfläche genutzten Fensterfront – erneuert werden. Es muß davon ausgegangen werden, daß die Fensterscheiben ausschließlich aufgrund der Plakatierung regelmäßig eingeschlagen werden. Die Kosten für den Austausch der Fensterscheiben liegen inzwischen bei 2.000.- DM. Da eine Übernahme weiterer Kosten von meiner Seite nicht vertretbar ist, kann leider die Plakatierung an den Fensterscheiben nicht mehr gestattet werden. Ich bitte, die noch vorhandenen Plakate umgehend zu entfernen und eine weitere Plakatierung zu unterlassen.“
Auch die polizeiliche Beschlagnahme eines Solidaritätsplakates gegen die immer stärker werdende Repression gegen KurdInnen wurde an der Hochschule allgemein hingenommen. Für die meisten Fachschaftsleute war es die erste derartige Begegnung mit der Staatsmacht, und so war sie der Anlaß, sich einmal grundsätzlich mit den Formen der Zensur und den Möglichkeiten, offensiv damit umzugehen, auseinanderzusetzen.
Hinzu kam das, was den Alltag der Fachschaft mehr als vieles andere bestimmt: die aufreibende Arbeit in den akademischen Gremien, die Neubesetzung des Lehrstuhls für Politische Wissenschaft und das schier endlose Berufungsverfahren Komparatistik, die Einführungsarbeit für StudienanfängerInnen, die regelmäßige Beratung, die Finanzen.
Anfang November 1994 schien ein neues Fachschaftskollektiv, das sich um die Vertretung der Studierenden und die politische Arbeit kümmern würde, nicht mehr zustande zu kommen. Einzelne Leute forderten sogar, die Fachschaft in einen 'unpolitischen' Servicebetrieb umzuwandeln, der Stundenpläne und BAföG-Anträge erklären, aber keine Politik machen sollte. Die Politik der Unpolitik führte der AStA seit Jahren mustergültig vor: Die StudentInnenvertretung war von einer 'unpolitischen' Liste übernommen worden. Ihre Phantasie erschöpfte sich im wesentlichen darin, den AStA auf eine Art SchülerInnenmitverwaltung zurückzustutzen und die inhaltliche Leere ihrer Flugblätter mit dem Nachdruck von Mensa-Speiseplänen zu überbrücken. Dadurch erhielt die Gruppe einen derartigen Zulauf, daß sie größenwahnsinnig wurde und als eine populistische Liste zur Kommunalwahl antrat, zum Glück für alle Beteiligten jedoch nicht gewählt wurde. Seitdem beschränkt sie sich wieder darauf, der Hochschulleitung nichts Böses nachsagen zu lassen.
Um dem entgegenzuwirken, gesellten sich eine Handvoll autonomer StudentInnen zu Mitgliedern des alten Kollektivs, die sich eher zur JUSO-Hochschulgruppe und den AnarchosyndikalistInnen zählten und mit der neuen Unterstützung einen weiteren Versuch politischer Fachschaftsarbeit wagen wollten. Diese Zusammensetzung, an anderen Hochschulen oft Grund für schier unlösbare Konflikte, war für uns eine spannende und erfolgreiche Mischung. Die Folge war eine Bereicherung unserer Themenvielfalt und nicht, wie häufig, das Auseinanderdividieren in Fraktionen. Allerdings waren die Arbeitsschwerpunkte verschieden: hochschulpolitische Gremienarbeit, der Versuch, unabhängig von der Hochschule antifaschistische und antirassistische Politik zu betreiben, die Fachschaftsräume zu einem offenen Treffpunkt für politische Gruppen und einzelne Menschen – Studierende oder nicht – zu machen. Die im Vorjahr entschlafene Fachschaftszeitung philfalt entstand neu; wir eröffneten ein Infocafé, das mit Zeitschriften, Infoveranstaltungen, Tee und Kaffee die politische Kultur Aachens bereichern wollte; wir bauten um und malten alles bunt an…
An den Wochenenden trieben wir uns auf einem unscheinbaren Acker am Rande der Stadt herum. Hier, zwischen dem raffinerieähnlichen Klinikum, der mittelalterlichen Aussätzigen-Station Melaten und der niederländischen Grenze, plante die Hochschule einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Rüben. Die Gentechnik-AG Aachen (GAGA) , die sich seit einiger Zeit kritisch mit dieser Technologie auseinandersetzte, mobilisierte zu regelmäßigen Sonntagsspaziergängen am künftigen Versuchsacker. So fand sich Woche für Woche ein bunter Haufen bekannter Aktiver und neuer Gesichter in Melaten ein. Es war der lebendigste und vielleicht auch radikalste Widerstand, dem die Hochschule seit langem ausgesetzt war – und für alle, die mitmachten, endlich wieder ein Protest, der sich deutlich vom drögen Marschieren vieler sonstiger Demos abhob.
Es wurde so getan, als würde Blumensamen ausgestreut, denn in einem wilden Blumenfeld hätten sich die Genrübchen nicht gut entwickeln können und schon gar nicht kontrollieren lassen. Dieser symbolische Akt allein genügte, den Versuchsleiter in helle Panik zu versetzen. In der Lokalpresse beschuldigte er die DemonstrantInnen der Sabotage und sah seinen noch nicht begonnenen Versuch schon jetzt in Frage gestellt. Nun ja, in Frage stellen wollten wir das Projekt ja. Die GAGA hatte öffentlich gemacht, wie sehr der Versuch mit den Interessen der Biotechnikkonzerne verknüpft war. Immerhin waren die Rüben speziell auf den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels BASTA abgestimmt, was einem der am Versuch beteiligten Konzerne eine Monopolstellung verschaffen würde. Es stimmte einfach nicht, wenn der Versuchsleiter das Experiment als ökologisch-alternative Pioniertat ausgab. Zwar ging es um die Abschätzung der Risiken, die beim Einsatz der Genrüben in der Landwirtschaft entstehen könnten. Doch galt es ja auch, den großflächigen Einsatz von manipuliertem Saatgut abschätzbar zu machen, auch was die zu erwartende Kritik daran betrifft. Der Aachener Versuch würde das Alibi bieten, die massenhafte Verwendung manipulierter Rüben als bedenkenlos hinstellen zu können. Und genau dies machte den Versuch so eminent wichtig – für die Konzerne und für die Hochschule, die im Bereich Biotechnologie ein wenig den Anschluß verloren hatte. Immer mehr geriet auch sie nun in den Mittelpunkt der Kritik. Und was uns überraschte: Auch in der ansonsten meist hochschultreuen Lokalpresse fand die GAGA Gehör.
Der Acker diente als Fußballplatz, und ein großes, in den Boden gehacktes „Genrüben Nein!“ zierte weithin sichtbar die Landschaft. In zahllosen Veranstaltungen und Diskussionen wurde eine grundlegende Kritik an der Gentechnologie entwickelt. Mehrere tausend AachenerInnen sprachen sich per Unterschrift gegen den Versuch aus. Die Hochschule reagierte verstört und beorderte berittene Polizei an den Versuchsacker. Öffentlichkeitswirksam bot sie einen Dialog mit den VersuchsgegnerInnen an – ein Dialog, dessen Ergebnis von vornherein feststand: Die RWTH ließ keinen Zweifel an ihrer Bereitschaft aufkommen, den Versuch notfalls gewaltsam durchzusetzen. Eine Kritik darf eben nur dort geübt werden, wo sie keine Folgen haben kann. Daß die Sonntagsspaziergänge nach der Pflanzung der manipulierten Rüben fortgesetzt und der Versuch weiterhin in Frage gestellt wurden, wertete die Hochschule als mangelnde Dialogbereitschaft. Eines schönen Morgens schließlich fand sie ihr Versuchsfeld verwüstet vor. Und als am folgenden Sonntag statt eines Spaziergangs ein Erntedankfest angesagt war, hatte die Polizei freie Hand, wahllos einige der TeilnehmerInnen herauszugreifen. Mit sichtlichem Vergnügen machte sie davon Gebrauch. Die RWTH trat mit Strafanzeigen noch ein wenig nach.
Wir nahmen an diesen Auseinandersetzungen teil, bezogen öffentlich gegen die Hochschule Position und waren auch von den Repressionen betroffen. Und während all dies nebeneinander her und ineinander verwoben unsere Arbeit bestimmte, drangen immer wieder, Bröckchen für Bröckchen, Gerüchte über die Nazi-Vergangenheit eines Altrektors an unser Ohr.
Die Autor/innen Darius Dunker, geboren 1970, landete über Kinderladen und Friedensbewegung 1990 beim Lehramtsstudium an der RWTH Aachen. Dort in der JUSO-Hochschulgruppe, dann in der Fachschaft Philosophie. Tätig für diverse studentische Publikationen und als Mitglied in Gremien der Hochschule.
Alex Lünskens, 1967 im RWTH-Klinikum geboren, als Schülerin in der örtlichen Antifa, studiert seit 1988 Anglistik und Philosophie in Aachen. Seit deren Gründung im Golfkrieg bis Anfang 1996 bei der Zeitung Ein Loch in der Zensur. Kam 1995 zur Fachschaft Philosophie.
Thomas Müller, geboren 1968. Anfang der 80er Jahre versehentlich Mitglied im Eschweiler Geschichtsverein. Später Student an der Philosophischen Fakultät der RWTH Aachen. Mitarbeit in antifaschistischen und antirassistischen Initiativen sowie beim Loch in der Zensur, seit 1995 bei der Fachschaft Philosophie.
Tina Terschmitten, versucht seit ihrer Geburt 1974, verstärkt seit ihrer Einschreibung 1993 in Aachen, Komparatistik (Vergleichende Literaturwissenschaft) zu studieren. Seit Studienbeginn in der Fachschaft Philosophie und in akademischen Gremien aktiv.
Personenregister A
Aly, Götz (Historiker) 211
B
Beatrix (Königin der Niederlande) 258
Beck, Götz (Germanist) 42-48; 54
Becker, Björn (AStA-Vorsitzender) 180; 182; 188
Beier, Henning (Reproduktionsbiologe) 79- 81
Benn, Gottfried( Schriftsteller) 102
Benoist, Alain de (Neue Rechte) 84
Berger, Gottlob (SS-General) 20; 222
Bergstraesser, Arnold (Politologe) 102
Biermann, Wolf (Barde) 8
Bindels, H. H. (De Spade) 111
Boettcher, Alfred Richard (Hauptsturmführer)136-143; 198-203; 206; 228; 233; 235
Bohmers, Assien (Archäologe) 72
Borchling,(Germanist) 72
Bormann, Martin (NS-Parteikanzlei) 222
Bosma, Koos (Historiker) 111
Böttcher, Winfried (Politologe) 57; 126; 203
Brandt,Rudolf (Pers.Refernt Reichsführer-SS) 122; 146
Breuer, Dieter (Germanist) 39
Breuer, Helmut (Geograph) 55
Breuer, Ulrich (KFA) 202
Brunn , Anke (Wissenschaftsministerin) 49; 56; 129; 133; 135f; 184; 252; 25 4f
Buck, Theo (Germanist) 28; 98
Buntru , Alfred (SS-Rektor) 104; 125; 176ff; 186; 220; 227f; 270
Burger, Heinz Otto (Germanist) 99; 224
C
Conring, Hermann (Besatzungsfunktionär) 72
Curtius, Ernst Robert Romanist) 227
D
Debus , Günter (Dekan)17; 19f; 34f; 41; 54ff; 69; 82f; 128; 131; 161ff; 178; 190; 194-197; 215; 251; 255ff
Dijk, Ton van (Journalist) 26; 69
Dolezalek, Alexander (SS-Europaplaner) 223
Dönitz, Karl (Reichspräsident) 159
Driesch, Hans (Philosoph) 122
Dücker, Karl-Heinz (Konvent) 27
Dyserinck , Hugo (Komparatist) 16-19; 35-38; 55f; 59; 127ff; 174; 256
E
Ehrenberg, Hans (SS-Rektor) 104f
Einstein, Albert (Physiker) 167; 199
Esau, Abraham (Physiker) 139-142
F
Feuchtwanger, Lion (Schriftsteller) 33
Flegler, Eugen (Rektor) 177
Frank, Anne (Tagebuchautorin) 124; 169
Freyer, Hans (Soziologe) 156f; 228; 266
Friedrich II (König von Preußen) 218
G
Gehlen , Arnold (Soziologe) 11; 105; 112ff; 122-125; 156f; 159-164; 166; 175; 177f; 180f; 186; 217; 225; 227f; 231; 233; 266
Gehlen, Reinhard (BND) 124; 231; 265
Geisler, Walter (Geograph) 105-108; 111; 177
Goebbels, Joseph (Propagandaminister) 203; 211
Gräf, Peter (Geograph) 243
Greene, Graham (Schriftsteller) 262f
Gruber, Otto (Rektor) 177
H
Haas, Nicolaas de (Kollaborateur) 142
Habetha , Klaus (Rektor)7; 26ff; 35f; 49; 57f; 69; 80; 86f; 93; 131f; 135f; 139; 162; 180ff; 185; 187f; 190; 205f; 238; 240; 242; 251; 256; 264
Haider, Jörg (SS-Freund) 233; 238
Hankamer, Paul (Germanist) 224
Haude, Rüdiger (Soziologie)166f; 234
Hauer (Runenforscher) 125
Haushofer, Karl (Politologe) 204
Heidegger, Martin (Philosoph) 124
Heim, Susanne (Historikerin) 210f
Heimsoeth, Heinz (Philosoph) 224
Heisenberg, Werner (Physiker) 208
Herzog, Roman (Bundespräsident) 258ff
Heydrich , Reinhard (RSHA)30; 158; 219; 223; 227; 268f
Heyse (Dozent) 224
Hildebrand, Reinhard (Archivar) 126
Himmler , Heinrich (Reichsführer-SS) 33; 70f; 73f; 107; 110f; 118; 123; 141; 152; 159; 176; 211; 220; 222; 231; 265; 268f
Hirt, August (Mediziner) 32; 125
Hitler, Adolf (Diktator) 110; 111; 159; 167; 211f
Hoeven, Jan Arie van der (SS-Arzt) 119
Hoffmannsthal, Hugo von (Dichter) 102
Höhn, Reinhard (Managerausbilder) 231
Hörning, Karl-Heinz (Soziologe) 57
I
In ´t Veld, N.K:.C.A. (Historiker) 21
Ispert, Wolfgang (Reichskommissariat) 220
J
Jäger , Ludwig (Germanist)35; 37f; 42; 54; 180; 207; 209f; 214-217; 224; 226; 251
Jasper, Gottfried (Erlanger Rektor) 234; 250
Jauß, HansRobert (Romanist) 20; 35; 227
Jong, L. de (Historiker) 143
Jünger, Ernst (Schriftsteller) 102
K
Kaiser,Friedhelm (Die Weltliteratur) 226; 258
Kalkmann, Ulrich (Historiker) 207; 208
Kapteyn, Johannes Marie Neele (Groninger Rektor) 72; 109; 112
Karl der Große (Kaiser)110-113; 248; 258ff
Karlemacher, Josef (Unbekannter) 58
Kater, Michael H. (Historiker) 25; 30f; 102; 158; 221f
Kerner, Maximilian (Historiker) 28; 35; 86; 165; 239
Keßler , Jürgen (RWTH-Kanzler) 27; 58; 87; 93; 160; 170; 181; 186; 191
Klee, Ernst (Historiker) 175
Kluge, Janka (Journalistin) 169
Knolle, Friedrich (SD) 116
Kohl, Helmut (Bundeskanzler9 85
Köhler, Otto (Journalist) 202f
König , Helmut (Politologe) 7; 56; 65-68; 178f; 204-207; 210; 236; 238ff; 244f; 251; 263f
Kubach, Fritz (NS-Studentenschaft) 124f; 270
Küchenhoff, Dietrich (Staatssekretär) 136
Kuhlmann , Wolfgang (Philosophieprofessor) 56; 178; 207; 236; 238f; 241; 245f
L
Landgrebe (Dozent) 224
Lang, Arend (SD) 72
Last, James (Musiker) 45; 213
Leggewie, Claus (Soziologe) 85f; 238
Lenard, Philipp (Physiker) 167; 177; 199; 201; 233
Lengauer, Monika (Wissenschaftsministerium) 60ff; 133f; 252ff
Lenk, Kurt (Politologe) 234
Levi, Primo (Schriftsteller) 67f
Lieb, Wolfgang (Sprecher des Ministerpräsidenten) 51
Liebers, Stephan (Hochschuljurist) 170
Litt, Theodor (Philosoph) 122
Lohse, Gerhart (Bibliotheksleiter) 225-228
Lübbe, Hermann (Philosophieprofessor) 48; 236-245; 248; 260; 262
M
Marx, Peter (Wissenschaftsministerium) 133ff; 156; 252-255
Mathieu, Joseph Arbeitswissenschaftler) 177
Maunz, Gerhard (Verfassungsrechtler) 231
Maxwell, David (BDC) 129
Mehnert, Klaus (Politologe) 11; 112; 127; 177; 182; 203f; 206
Mengele, Joseph (KZ-Arzt) 210
Mennicken,Peter (Philosophieprofessor) 112
Michelsen, Uwe Andreas (Prodekan) 34; 131; 133
Mikat, Paul (Kultusminister) 51
Mirgeler, Albert (Historiker) 112
Mohler, Armin (Neue Rechte) 102
Moser (Dozent) 224
Müller-Blattau (Dozent) 224
Müller-Pfalzgraf, Hans-Herbert (stellv. Kanzler) 170f
Mura, Kurt (Dekanat) 195
Mussert, Anton (NSB) 31; 71
N
Nietzsche, Fridrich (Philosoph) 39f
O
Obenauer, Karl Justus (Germanist) 227
P
Pannwitz (KZ-Chemiker) 67f; 169; 171
Petri, Franz (Volkskundler) 225
Pfeffer , Karl Heinz (Soziologe) 155ff; 159; 175; 180; 225; 227f; 265f
Pfeifenberger, Werner (Rassist) 232; 238
Polte (SD) 220
Poppelreuter, Walter (Arbeitspsychologe) 177
Posthumus, N.W. (Historiker) 115
Prang (Dozent) 224
Pretzel (Dozent) 224
Preusche, Carsten (AStA-Vorsitzender) 80; 90f; 182
R
Rascher, Sigmund (KZ-Arzt) 32; 73
Rau, Johannes (Ministerpräsident) 18; 51f; 184; 187; 253
Rauter, Hans Albin (HSSPF) 72f; 221; 267
Reemtsma, Jan Philipp (Sozial- und Literaturwissenschaftler) 209f; 212; 236f
Rehberg, Karl Siegbert (Soziologe) 98; 124; 161ff
Richards , Earl Jeffrey (Komparatist) 16-20; 25; 34f; 38; 55; 128ff; 132-137; 194-197; 227; 255f
Röhm, Ernst (SA) 203
Rohrmoser , Günter (Neue Rechte) 84-94; 105; 171; 181f; 188; 204; 232; 238f; 241
Roloff, Hermann (Raumplaner) 111; 112; 114; 118; 177f; 228
Rosenberg, Alfred (NS-Ideologe) 31; 122
Rössner, Hans (SD) 103; 144; 148; 221; 223; 226; 267; 269
Rusinek (Historiker) 254
S
Scalogne (SS-Arzt) 119f
Scheel, Gustav Adolf (Reichsstudentenführer) 124; 270
Schelsky, Helmut (Soziologe) 156f; 228; 266
Scherdin, Georg (SD) 107ff; 126; 267
Schneider , Hans Ernst (Hauptsturmführer) 9; 17f; 21f; 25; 31f; 34; 36f; 39f; 42- 53; 57- 60; 65f; 69-74; 79; 90f; 99-103; 105; 108; 110-114; 116-123; 125; 128f; 137; 139; 143-146; 148; 151; 154-159; 161; 164; 172-180; 186; 190; 200; 209f; 217-232; 248; 250f; 256; 259-264; 267
Schneider, Marianne (Scheinwitwe) 29; 129; 224
Schnoor, Herbert (Innenminster) 52; 253
Schultheis, Karl (SPD) 18f; 34
Schwabe , Klaus (Historiker) 56; 58; 205; 207f; 215; 236; 239
Schwalm , Hans (Ahnenerbe) 144ff; 148; 154; 157f; 223
Schwerte, Hans - s. Schneider, Hans Ernst
Seyß-Inquart, Arthur (Reichskommissar) 72; 268
Sievers , Wolfram (Ahnenerbe) 71; 72ff; 118ff; 122; 125; 141f; 146; 157; 220; 221; 223; 231; 262; 265; 267
Simon, Gerd (Germanist) 103; 122; 124; 129; 148; 169; 179f; 217ff; 222f; 227; 229f
Six , Franz Alfred (SD)123; 125; 156f; 176; 180; 219; 225; 227; 230f; 259; 265; 269f
Snijder, Geerto Aeilko Sebo (Volksche Wergemeenschap) 72; 119f
Spengler, Wilhelm (SD) 100; 102f; 175; 220ff; 227ff; 231; 260; 267; 269; 270
Stalin, Josef (Diktator) 203
Stark, Johannes (Physiker) 140; 167; 177; 199; 201; 233
Stenbock-Fermor, Friedrich Graf (RWTH-Kanzler) 226
Stetter, Christian (Sprachwissenschaftler) 35; 37ff; 41-44; 54; 81f; 96; 214; 217
Stokar, Walter von (Besatzungsoffizier) 141f
Ströer, Wouter Frans Hendrik (Rassenbiologe) 119
Stroh (Dozent) 224
Stüber (Journalist) 173; 192f
T
Tackenberg, Kurt (Volkskundler) 225
Tillich, Paul (Philosoph und Theologe) 122
Treusch, Joachim (KFA) 199f
V
Verschuher, Ottmar von (Mediziner) 210
Vogel, Steven de (Journalist) 26; 69
W
Wagner, Sascha (Junge Nationaldemokraten) 246
Weber (Dozent) 224
Werner, Helmut (Daimler Benz) 184
Weydt, Günther (Germanist) 210; 225; 226ff
Willems, Johann (De Spade) 109
Wimmer, Toni RWTH-Pressesprecher) 25; 88; 89; 165
Wittermans (SS-Arzt) 119
Witzleben, Erich von (Generalfeldmarschall) 104
Wolff, Karl (Pers. Stab Reichsführer-SS), 70; 268
Wolfram, Richard (Ahnenerbe) 123
Worringer (Dozent) 224
Wüst , Walther (Ahnenerbe)73; 114; 125; 176; 227; 265; 267; 270
Z
Zehrer, Hans (Konservative Revolution) 102
Zondergeld, Gjald Reinder (Historiker) 68-75; 95; 105; 109; 110; 114f; 122; 137ff; 166; 200; 217; 234
Glossar Aachener Nachrichten (AN), Aachener Volkszeitung (AVZ): Lokale Tageszeitungen (beide aus dem selben Verlag).
Ahnenerbe (Forschungs- und Lehrgemeinschaft "Das Ahnenerbe" e.V.): Von der SS kontrollierte Organisation zur Ausdehung ihres Herrschaftsanspruchs auf den kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. Der nach außen hin als gelehrte Gesellschaft für frühgermanische Forschungen auftretende Verein war dem * Persönlichen Stab Heinrich Himmlers angegliedert und arbeitete eng mit dem Sicherheitsdienst zusammen. Präsident: Heinrich Himmler, Reichsgeschäftsführer: Wolfram Sievers, Kurator: Walter Wüst.
Antifa-Projekt: Studentisches Antifaschistisches Projekt der Fachschochschule Aachen.
AStA: Allgemeiner StudentInnen-Ausschuß. Oberstes Gremium (sozusagen die Regierung) der StudentInnenschaft, gewählt durch das StudentInnenparlament (SP).
Auslandswissenschaftliche Fakultät: Nach Kriegsbeginn an der Berliner Humboldt-Universität eingerichtete Fakultät, deren Ziel die Herausbildung eines außenpolitischen Führungsnachwuchses war und die der Hochschule für Politik, einer politikwissenschaftlichen Kaderschmiede, angegliedert war. * Dekane der Fakultät waren Franz Alfred Six und Karl Heinz Pfeffer.
Berufungsverfahren: Verfahren zur Neubesetzung von ProfessorInnen-Stellen. Eine Berufungskommission schlägt normalerweise drei BewerberInnen für die Berufungsliste vor, die dann nacheinander vom Fachbereichsrat und vom Senat beschlossen werden muß, bis sie dem Wissenschaftsministerium als Berufungsvorschlag vorgelegt wird. Das Ministerium beruft dann in der Regel nach Listenreihenfolge die erste noch zur Verfügung stehende Person.
Bundesnachrichtendienst (BND): 1956 aus der Organisation Gehlen hervorgegangener Auslandsnachrichtendienst der BRD. Die Organisation Gehlen war ein im Frühjahr 1945 von Reinhard Gehlen, dem Chef der Abteilung Fremde Heere Ost (ins * Reichssicherheitshauptamt überführter Ost-Auslandsnachrichtendienst der Wehrmacht) zusammengefaßter Stab von Mitarbeitern als Kern eines Auslandsnachrichtendienstes für die spätere Bundesrepublik. Die Organisation konnte unmittelbar nach Kriegsende in Zusammenarbeit mit den USA ihre Arbeit beginnen und wurde 1956 in den Bundesnachrichtendienst umgewandelt, dessen erster Präsident Reinhard Gehlen wurde. Dieser wirkte zugleich beim Aufbau des Verfassungsschutzes (Inlandsnachrichtendienst) und des Militärischen Abschirmdienstes maßgeblich mit.
De Spade: * Frankische Werkgemeenschap "De Spade".
DekanIn: Eine Professorin oder ein Professor, die oder der vom Fachbereichsrat für die Geschäftsführung des Fachbereichs gewählt wird. Die Amtszeit beträgt laut Gesetz 4 Jahre, meist gibt es aber Absprachen über Rücktritt und Neuwahlen nach der Hälfte der Zeit. Veraltete Anrede ist Spectabilis (unter ProfessorInnen) bzw. Spectabilität (von Untergebenen).
Deutsche Soziologie: Nationalsozialistische Strömung in der Soziologie. Vertreter: Karl Heinz Pfeffer, Helmut Schelsky, Hans Freyer, Gunter Ipsen etc.; die Deutsche Soziologie basiert u.a. auf der Philosophie Arnold Gehlens, der deshalb dazugerechnet wird. Ihre Vertreter nahmen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung des Faches in der Nachkriegszeit.
Deutsches Auslandswissenschaftliches Institut (DAWI): 1940 als außenpolitische Kaderschmiede gegründete Forschungseinrichtung, deren Personal weitgehend der * Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität entstammte. Das Institut verband die Planungselite der NSDAP und ihrer Gliederungen, des Staates, der Wehrmacht sowie der Industrie und Großbanken. Es wurde von der SS dominiert.
Ein Loch in der Zensur (LiZ): Aachener Monatszeitschrift, entstanden als Informationssammlung im Golfkrieg, dann Themenschwerpunkte auf (Anti-)Faschismus, Rassismus und Repression.
Europa-Seminar. Seit 1944 regelmäßig tagender Arbeitskreis maßgeblicher Europastrategen des NS-Staates. Leiter: Karl Heinz Pfeffer.
Fachbereich: Die Hochschule teilt sich nach Fächergruppen in verschiedene Fachbereiche (früher Fakultäten). So heißt die Philosophische Fakultät, die alle Geistes- und Gesellschaftswissenschaften umfaßt, offiziell "Fachbereich 7". Die Verwaltung eines Fachbereichs ist das Dekanat.
Fachbereichsrat: Das Entscheidungsgremium eines Fachbereichs. Ihm gehören zur Hälfte ProfessorInnen an, die übrigen Stimmrechte teilen sich StudentInnen sowie "wissenschaftliche" und "nichtwissenschaftliche" MitarbeiterInnen. In vielen Fällen sind die Stimmrechte der NichtprofessorInnen zusätzlich eingeschränkt oder weitere ProfessorInnen stimmberechtigt, z.B. bei der Beschlußfassung über Berufungsvorschläge. Vositz und ausschlagende Stimme bei Pattsituationen hat der oder die DekanIn.
Fachschaft: Die Gesamtheit der StudentInnen eines Faches, an der RWTH oft mehrerer Fächer zusammen. Zur Organisation wird entweder auf einer Vollversammlung ein Fachschaftskollektiv oder per Urnenwahl ein Fachschaftsrat gewählt, die oft ebenfalls einfach Fachschaft genannt werden. Häufig sind mit Fachschaft auch die Räumlichkeiten gemeint.
Frankische Werkgemeenschap "De Spade": Niederl.: Fränkische Arbeitsgemeinschaft "Der Spaten". Der * Volksche Werkgemeenschap unterstehender heimatkundlicher Tarnverein des * Germanischen Wissenschaftseinsatzes für die südlichen Niederlande.
Generalkommissare: * Reichskommissar für die besetzten Niederlande.
Germaansche Werkgemeenschap: * Volksche Werkgemeenschap.
Germanische Arbeitsgemeinschaft: Auf einer Konferenz des * Germanischen Wissenschaftseinsatzes 1943 gegründete Gruppe der wichtigsten Kollaborateure aus den * "germanischen Randländern" für die ideologische Begründung eines "germanischen Reichs".
Germanische Freiwilligen Leitstelle (Germanische Leitstelle; Amtsgruppe 6 im SS-Hauptamt): 1941 aus einer Rekrutierungszentrale für Freiwillige der * Waffen-SS hervorgegangene Abteilung im * SS-Hauptamt zum Aufbau der Waffen-SS und der Allgemeinen SS in den * "germanischen Randländern"; zunehmend auch mit der politischen Planung für ein "germanisches Reich" betraut.
germanische Randländer: SS-Bezeichnung für die als "germanisch" eingestuften besetzten Länder, die zu einem "germanischen" Reich im Zentrum einer europäischen Gemeinschaft mit dem Deutschen Reich verbunden werden sollten.
Germanischer Wissenschaftseinsatz: 1942 eingerichtete Abteilung des * Ahnenerbe zur Durchsetzung der kulturellen und wissenschaftlichen Interessen der SS in den * "germanischen Randländern". Sie war eng mit der * Germanischen Freiwilligen Leitstelle verbunden und zur Zusammenarbeit mit dem * Sicherheitsdienst verpflichtet. Leiter: Hans Ernst Schneider.
Gestalter unserer Zeit: 1954 im Stalling-Verlag begonnene Buchreihe über die ideologischen, politischen, sozialethischen, ökonomischen und technologischen Leitbilder in den einzelnen europäischen Staaten. Herausgeber: "Hans Schwerte", Wilhelm Spengler. Lektor im Verlag: Hans Rössner.
Heimat (Monatsschrift für Maasland, Eifel und Ardennen): Vom Institut für Grenzlandkunde der * Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule seit 1940 koordinierte völkische Propagandazeitschrift. Schriftleiter: Georg Scherdin.
Höherer SS- und Polizeiführer Nordwest (HSSPF): Vertreter der SS in den besetzten Niederlanden mit Befehlsgewalt über die niederländische SS, * Waffen-SS, * Sicherheitsdienst, Sicherheitspolizei und Ordnungspolizei. Der Höhere SS- und Polizeiführer, Hanns Albin Rauter, ist zugleich * Generalkommissar für das Sicherheitswesen beim * Reichskommissar für die besetzten niederländischen Gebiete. Maßgebliche Verantwortung für die Durchführung der Judendeportationen.
KanzlerIn: Der oder die VertreterIn des Wissenschaftsministeriums an der Hochschule, leitet die Hochschulverwaltung und gehört damit zum Rektorat.
Klenkes: Alternatives Stadtmagazin in Aachen.
Konvent: Oberstes Beschlußgremium der Hochschule, wählt vor allem den oder die RektorIn, tritt ansonsten selten zusammen, weil die Entscheidungen im Senat gefällt werden.
Kurator: Aufsichtführende Person über eine Stiftung, einen Verein usw., im * Ahnenerbe vor allem der Repräsentant nach außen. Kurator des Ahnenerbe war der Münchener Universitätsrektor Walter Wüst, der seinen Einfluß zunehmend an Reichsgeschäftsführer Wolfram Sievers abtrat.
Magnifizenz: * RektorIn.
Nürnberger Prozesse: Verfahren vor einem Internationalen Militärgerichtshof bzw. amerikanischen Militärgerichten. Auf das Hauptverfahren gegen die NS-Hauptkriegsverbrecher folgten 12 Nachfolgeprozesse, die u.a. die Menschenversuche an KZ-Häftlingen zum Gegenstand hatten. Insgesamt erfolgten 24 Todesurteile, von denen jedoch nur die Hälfte vollstreckt wurde. SS, * Sicherheitsdienst, Gestapo und Führerkorps der NSDAP wurden zu verbrecherischen Organisationen erklärt.
Persönlicher Stab Reichsführer SS: Aus dem Adjutanten-Stab Himmlers gebildetes Hauptamt der SS, das die wichtigsten Verbindungsleute zu den Himmler unterstellten Organisationen, den übrigen Parteigliederungen sowie den staatlichen Stellen umfaßte. Der Persönliche Stab bildete damit die Zentrale der SS. Darüberhinaus umfaßte er mehrere andere SS-Organe, die nicht in den Bereich eines anderen Hauptamtes paßten. Hierzu gehörte auch das Amt * Ahnenerbe. Leiter: Karl Wolff.
Persönlicher Stab: Allgemeine Bezeichnung für einen Stab von Adjutanten, SekreträrInnen, Fachkräften und Verbindungsleuten zu anderen Organisationen.
philfalt: Zeitung für die Fachschaft Philosophie. Während die philfalt eine eigenständige Redaktion hat, veröffentlicht das Fachschaftskollektiv in der Reihe philfalt EXTRA.
Physikalisch-Technische Reichsanstalt: Vorgängerorgansiation der Physikalisch Technischen Bundesanstalt als staatlicher Behörde mit Zuständigkeit für das Meß- und Eichwesen und der Zulassung von Geräten.
Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA): Für die Entwicklung und Koordination der rassistischen Ideologie und Politik der SS zuständiges Hauptamt der SS, die als nationalsozialistischen Führerorden auf Grundlage rassistischer Auslese verstanden wurde. Dazu gehörte die Rasse-Überprüfung der SS-Bewerber und SS-eigene Siedlungsprojekte. Für die Durchführung der auf Massenvernichtung beruhenden rassistischen Bevölkerungspolitik im Zweiten Weltkrieg wurden zusätzliche Hauptämter geschaffen.
Reichsforschungsrat: 1937 als Untergliederung der Deutschen Forschungsgemeinschaft gegründetes staatliches Gremium zur Koordination sämtlicher kriegswichtiger Forschung u.a. mit dem Mittel der Finanzzuteilung.
Reichsführer SS (RF-SS): Heinrich Himmler in seiner Funktion als Leiter der * Schutzstaffel (SS).
Reichskommissar für die besetzten niederländischen Gebiete: Beauftragter der Reichsregierung bei der Angliederung der besetzten Gebiete, vergleichbar einem Gouverneur. Es war der ehemalige österreichische Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart. Ihm unterstanden die vier Generalkommissare für "Verwaltung und Justiz", "zur besonderen Verwendung", für "Finanz und Wirtschaft" sowie das "Sicherheitswesen". Letzterer war identisch mit dem * Höheren SS- und Polizeiführer Nordwest.
Reichssicherheitshauptamt (RSHA): Organisationsbezeichnung für die Zusammenfassung von * Sicherheitsdienst und Sicherheitspolizei (die ihrerseits Gestapo und Kriminalpolizei umfaßte). Dem Leiter des RSHA (Reinhard Heydrich, Ernst Kaltenbrunner) unterstand faktisch das gesamte Polizeiwesen. Ab 1941 war das RSHA u.a. auch mit der Durchführung der "Endlösung der Judenfrage" in den besetzten Gebieten verantwortlich und verfügte über mobile Einsatzgruppen zur "Gegnerbekämpfung". Es war damit federführend an der Massenvernichtung beteiligt.
RektorIn: LeiterIn der Hochschule, wird vom Konvent gewählt, sitzt dem * Senat vor. Die ihm oder ihr unterstellten Dezernate und Abteilungen bilden das Retorat. Die StellvertreterInnen sind bestimmten Bereichen zugeordnet und heißen dann z.B. ProrektorIn für Lehre, Studium und Studienreform.
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH): 1870 als Königlich-rheinisch-westfälische Polytechnische Schule gegründete preußische Hochschule in Aachen, die als westlichster "Vorposten" der deutschen Wissenschaft durch Rüstungsforschung, Annexionsplanungen und Propaganda die Ziele des Ersten und Zweiten Weltkrieges unterstützte. Von 1937 bis 1945 unter Leitung von Rektoren in SS-Führerrängen. Heute die Hochschule mit der größten Finanzunterstützung aus Industrie und Wirtschaft in der BRD.
Schutzstaffel (SS): Aus der SA-Wachabteilung zum persönlichen Schutz Hitlers 1934 hervorgegangene NS-Gliederung unter Leitung Heinrich Himmlers. Die SS war zunächst in drei Hauptämter untergliedert (* SS-Hauptamt, * Rasse- und Siedlungshauptamt, * Sicherheitsdienst-Hauptamt), deren Zahl nach Kriegsbeginn auf zuletzt 12 erhöht wurde.
Senat: Das zentrale Entscheidungsgremium der Hochschule. Dem Senat gehören VertreterInnen aller vier Statusgruppen an, also ProfessorInnen, Wissenschaftliche und sog. nichtwissenschaftliche MitarbeiterInnen sowie StudentInnen. Hinzu kommt der/die * RektorIn, die * DekanInnen aller Fachbereiche, die Frauenbeauftragte und der oder die * AStA-Vorsitzende als SprecherIn der StudentInnen.
Seniorat: Da die * Fachschaft Philosophie der RWTH für etwa zwanzig Fächer zuständig ist, gibt es in vielen Instituten zusätzlich Seniorate, (früher von älteren StudentInnen gebildete) Vertretungen der Studierenden eines einzelnen Institutes. Das Seniorat Germanistik vertritt die StudentInnen des größten Instituts des Fachbereichs, das Seniorat Komparatistik vertritt das kleinste.
Sicherheitsdienst (SD): Ursprünglich Nachrichtendienst gegen abweichende Strömungen in der NSDAP. Ab 1936 war der SD offizieller Nachrichtendienst des Deutschen Reiches unter Leitung von Reinhard Heydrich. Im Reichssicherheitshauptamt war der SD seit 1939 zusätzlich mit der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und Polizei zusammengeschlossen. Er verfügte während des Krieges über einen Inlandsnachrichtendienst (Leiter: Ohlendorf), Auslandsnachrichtendienst (Schellenberg), Militärnachrichtendienst (Schellenberg) sowie die Abteilung Gegnererforschung (Six). Dem Inlandsnachrichtendienst unterstand u.a. eine Kulturabteilung (Spengler) mit ihren Unterabteilungen Wissenschaft (Turowski) und Volkskultur und -kunst (Rössner). Dem SD gehörten auch die "Einsatzgruppen" an, deren Zweck in der Durchführung der Massenvernichtung in den besetzten Gebieten war.
Spectabilis, Spectabilität: * DekanIn.
SS-Hauptamt (SS-HA): Als ältestes Hauptamt der SS vor dem Zweiten Weltkrieg zuständig für alle Bereiche, die nicht das * Rasse- und Siedlungshauptamt oder den * Sicherheitsdienst betrafen. Während des Krieges maßgeblich mit der * Waffen-SS betraut.
SS: * Schutzstaffel
Stille Hilfe (Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e.V.): Von ehemaligen SS-Funktionsträgern durchsetzte Organisation zur Unterstützung von NS-Verbrechern. Als Teil eines Netzwerkes, das Fluchthilfe, neue Identitäten, juristische Betreuung und gegenseitige Kontakte organisierte, 1951 offiziell als Verein gegründet. Der Verein organisierte vorrangig die Zusammenarbeit mit kirchlichen UnterstützerInnen und warb in öffentlichen Kampagnen für die Rehabilitation von NS-Verbrechern. Leiter der Presseabteilung in den 50er Jahren: Wilhelm Spengler.
Studienführer (Schriftenreihe zur Einführung in das gesamte wissenschaftliche Studium, Winters Studienführer): Beim Heidelberger Winter-Verlag erschienene Buchreihe, die Inhalt und Verlauf sämtlicher Einzelwissenschaften beeinflussen sollte. Es war das einzige derart umfassende Wissenschaftsprojekt im Nationalsozialismus und stand ab etwa 1942 faktisch unter Kontrolle der SS. Die Herausgabe der Reihe wurde bis in die 50er Jahre fortgesetzt. Herausgeber: Kubach, Scheel. Der Studienführer war in mehrere Fachbereiche unterteilt, darunter u.a. Kulturwissenschaft (Leitung: Wüst), Naturwissenschaften und Mathematik (Kubach), Technik (Buntru) und Auslandswissenschaften (Six).
StuVe: Studentische Versammlung. Da es (u.a.) an Bayrischen Hochschulen keinen * AStA gibt, existiert an der Erlanger Universität die offiziell nicht anerkannte StuVe (an anderen Hochschulen auch UStA, StuRa u.ä.).
Vergeltungswaffe 2 (V 2): Propagandistische Bezeichnung für die von der Heeresversuchsanstalt Peenemünde im Zweiten Weltkrieg entwickelte Flüssigkeitsrakete A 4. Für den Bau der Fertigungsanlagen wurden KZ-Häftlinge eingesetzt, die zum Großteil den Tod fanden. Die Rakete war gegen die Zivilbevölkerung bestimmt. Die als angebliche "Wunderwaffe" bezeichnete Rakete wird bis heute als technologische Leistung gefeiert.
Volksche Werkgemeenschap (Germaansche Werkgemeenschap): Niederl.: Völkische (bzw. Germanische) Arbeitsgemeinschaft. Vom * Germanischen Wissenschaftseinsatz kontrollierter Tarnverein des * Ahnenerbe in den Niederlanden. 1943 Umbenennung von Volksche in Germaansche Werkgemeenschap.
Waffen-SS: SS-Formationen, die als militärische Verbände sowie als Wachmannschaften in den Konzentrationslagern eingesetzt wurden (u.a. SS-Totenkopfverbände). Die Waffen-SS wurde während des Krieges durch nicht-deutsche, aber "germanische", später zunehmend auch durch nicht-"germanische" Verbände aufgestockt und sollte perspektivisch die Wehrmacht ersetzen.
Wannsee-Villa: Villa des * Reichssicherheitshauptamtes am Berliner Wannsee. Ort zahlreicher Tagungen, darunter am 20. Januar 1942 einer Konferenz von Spitzenvertretern oberster Reichs-, SS- und Parteidienststellen zur Koordination der "Endlösung der Judenfrage".
Weiter Hintergrundinformationen:
Publikationen zum Fall Schneider "Wer diesen Aachener Skandal kennenlernen will, der ist mit diesem parteiischen, aber undogmatischen Buch bestens bedient. Eine Reportage, spannend wie ein Krimi und doch ganz anders, denn die Handlung ist hier nicht frei erfunden."
Heiner Wember, WDR 5
Texte bei
Wikipedia :
Judenfeindlichkeit
Rechtsextremismus Informationen des
IDGR